Indienbericht von Marius Gutermuth


Marius Gutermuth:

In den zwei Wochen bei Mary Mathew habe ich wirklich extrem viel erfahren. Gelebt habe ich in einem einfachem Haus, indem sich auch die Schule befindet und welches in der Mitte des Dorfes Papinayakana Halli liegt. Die Hütten und Lehmhäuser in dem Dorf sind alle recht klein, ca. 10-20 m² für eine Familie. Die Dächer sind mit Palmenblättern und Stroh gedeckt. An den Wegesrändern sitzen Frauen, die auf großen flachen Steinplatten Wäsche waschen. Kühe, Schweine, Hunde und ein paar Hühner laufen überall herum. Fahrzeug ist der Ochsenkarren und nur auf der Teerstraße, die die einzelnen Dörfer verbindet, fahren Busse, Lastwagen (teils ohne Karosserie), da hier ein Erzabbaugebiet ist, und ein paar Motorräder.

Am meisten beeindruckt hat mich aber die Person Mary Mathew. Sie ist eine ältere Inderin aus eine wohlhabenden Familie und hat Medizin studiert, auch in Kanada. Nachdem sie ein paar Jahre als Nonne in einem Orden gelebt hat, entschloß sie sich, ihr Leben direkt bei und für hilfsbedürftige Menschen zu leben. Auch nachts kamen Kranke aus den umliegenden Dörfern zu ihr und konnten auf Ihre Hilfe bauen. Eines abends kam eine hochschwangere Frau, bei der die Wehen langsam einsetzten und Mary tastete sie ab. Dabei bemerkte sie, daß sich die Nabelschnur um den Hals des Kindes gelegt hatte. Sie wurde dann in die nächste Stadt Hospet gebracht, wo ein anderer besserer ausgerüsteter Arzt das Kind durch Kaiserschnitt gesund zur Welt brachte.

Neben dieser ärztlichen Hilfe, hat Mary Mathew aber auch von dem Erbe ihres Vaters und mit der Unterstützung der Brücke der Menschlichkeit e.V. die Schule aufgebaut. Mehr als hundert Kinder besuchen dort die erste bis vierte Klasse. Da es aber auch Kinder gibt, für die der Schulweg zu weit wäre, leben auch ein paar Kinder bei Mary und Veeranar, einem Sozialarbeiter, der Mary stets unterstützt hat und nun auch mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in der Schule lebt. Das Leben ist sehr einfach, so bereitet die Frau von Veeranar das Essen auf einem Gaskocher bzw. auf einem Holzfeuer zu und abends schlafen alle in dünne Tücher gehüllt auf einer großen ausgebreiteten Plane auf dem Boden im Eingangsraum.
Nachdem die Schule aus war, spielte ich häufig mit den Kindern und war fasziniert von den einfachen Spielzeugen. So sah ich kleine Mädchen mit einfachen Plastikpuppen, die aussahen, wie eine Plastik Lenor-Flasche, die in die Form einer Puppe gegossen wurde. Trotzdem gingen die Mädchen damit um, als hätten sie ein geliebtes Baby im Arm.

Außer der medizinischen Versorgung und der Schule, organisieren Mary und Veeranar aber auch andere Projekte. So gibt es in jedem Dorf Kleinkreditgruppen. Sie bestehen aus in der Regel 12 Frauen von denen jede in der Woche 10 Rupien, was 0,25 Euro entspricht, anspart. Hierdurch wird zum einen der bewußte Umgang mit Geld vermittelt und zum anderen wird so die Möglichkeit geschaffen, dass die Frauen sich mit dem angesparten Geld größere Anschaffungen wie Saatgut, Tiere oder eine Operation leisten können. Verbunden ist dies mit der Vergabe von Kleinkrediten an einzelne Frauen, wenn das Geld nicht ausreichen sollte.

Ein anderes Projekt, zu dem ich Mary in ein benachbartes Dorf begleiten durfte, diente dazu den Dorfbewohnern die medizinische Wirkung einheimischer Pflanzen zu erklären, damit auf die Anschaffung teurer Medikamente verzichtet werden kann. Neben Mary half hier auch ein pensionierter Arzt und eine Art Medizinmann aus dem Dorf. Doch bei der reinen Information blieb es nicht. Es wurde auch eine kleine Gruppe zusammengestellt, die die Pflanzen anbauen und pflegen sollte.

Daneben nimmt Mary aber auch an staatlichen Programmen wie z.B. zur Aidsbekämpfung teil und schafft so Möglichkeiten, dass auch hier die Menschen informiert werden können.
Die Kraft für all diese Aktivität, so erzählte mir Mary, zieht sie aus dem Verlust ihrer materiellen Güter für andere Menschen und der Liebe zu Jesus Christus.

Die frohen Gesichter der Menschen, wie das der jungen Mutter, der Frauen auf deren Saatgut der erste Regen fiel oder der Kinder, die ihren ersten Satz lesen, werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben.