Hildegard Wansleben, Januar 2001


Liebe Freundinnen und Freunde unserer Initiative !

Im Januar 2001 habe ich mit einer kleinen Gruppe von Freunden zum siebten Mal Indien besucht. Die Beteiligten sind enge Mitarbeiter in unserer Vereinstätigkeit. Das Bild, das sich bot, zeigte uns wieder die indischen Verhältnisse: Viele Menschen auf den Straßen der immer größer werdenden Städte, Kulis mit Handkarren und Fahrradrikschas, die sich im Straßenverkehr zu behaupten suchen, alte, stinkende Lastwagen und fensterlose Busse, die den größten Platz im Verkehr beanspruchen und natürlich auch elegante Limousinen der Wohlhabenden. In den dichtbesiedelten Altstadtvierteln sahen wir wieder die Menschen, die ihren Geschäften nachgehen. Sie verkaufen auf den Straßen Obst, Gemüse und Hausrat.

 

Die trockenen Äste dienen der Feuerstelle zur Zubereitung der Mahlzeiten.


Dann trafen wir die Menschen an, die auf der Straße wohnen. In Nischen und an Mauern haben sie ihre Bastmatten ausgebreitet und die Kinder spielen auf der Straße. Über einem Holzfeuer kochen sie morgens ihren Tee und über Tag Ihre Mahlzeiten. Zwischen den Menschen laufen Hunde herum, vereinzelt Kühe und in der Nähe der Müllhaufen gelegentlich Schweine. Über allem ruht die Dunstglocke von Autoabgasen, Urin und verwestem Abfall.

Auffallend sind die Frauen in farbigen Saris. In vielen Fällen haben sie Blumen im Haar. Sie faszinieren durch ihre geheimnisvolle Art und erfüllen das trostlose Bild mit Vitalität. Der aufrechte Gang vermittelt Stärke. Sie haben Kinder an der Hand und tragen Sachen auf dem Kopf.

Aber wir hatten uns ja nicht vorgenommen, dort zu verweilen. Wir hatten die Aufgabe, uns unseren Projekten zuzuwenden. Die Projektleiter warteten auf uns.

In Madurai waren es die Schulschwestern. Sie brachten uns mit den geförderten Patenkindern zusammen. Die Kinder waren gut gekleidet, denn die Pateneltern haben ja auch durch ihre Spende dafür gesorgt, dass sie zu Weihnachten neue Kleidung bekamen. Uns ging es darum, den Stand der Schulung festzustellen, die Art der Betreuung und um die Frage, wann ist die Schulbildung beendet. Die Pateneltern bekommen hierüber Nachricht. Wir stellten fest, dass viele junge Schwestern dort waren. In ihren rosa farbigen Saris zeigten sie ein Bild von Heiterkeit und Lebensmut. Ihre abendlichen Gesänge brachten einen Zauber, wie er in den orientalischen Geschichten in Erscheinung tritt. In Indien haben christliche Schulen einen besonders guten Ruf und ich bekam bestätigt, dass die Mädchen und Jungen anschließend in der Regel einen Ausbildungsplatz bekommen. Den Bericht über die Waisenkinder von Paramakudi hat Jörg Jakobs geschrieben. Der Bericht liegt bei.

Wir verließen Tamil Nadu. Im nördlich gelegenen Karnataka besuchten wir die Slums von Bangalore. Ein Slum ist ein trauriges Gebilde. Und dennoch verlassen immer mehr Menschen den Landbereich, um hier eine Lebenschance zu finden. Wir versuchen, ihnen dabei zu helfen: Schulbesuch zum Lernen von Schreiben, Lesen und Rechnen, Organisieren von Aktionsgemeinschaften, z.B. Bildung von Frauengruppen, Gesundheitsförderung und Hilfe in der Erziehung der Kinder. Die Atmosphäre im Slum ist voller Existenznot und Rivalität. Freundliche Lehrerinnen und Lehrer unserer Aktion versuchen durch Zuwendung zu den Kindern, Licht in diesen Alltag zu bringen. Die Eltern sind wegen des Broterwerbs viel unterwegs. Die Kinder erhalten Betreuung in Kindergärten und Schule. Mittags bekommen sie eine warme Mahlzeit. Gestörte Kinder werden psychisch betreut. Ich lernte eine junge Therapeutin kennen, die sich auf Sprachschulung spezialisiert hat. Für arbeitende Kinder, es ist leider eine große Anzahl, gibt es eine Abendschule.


Weiter nördlich haben wir ein besonderes Projekt. Hier werden von Mary Mathew Menschen betreut, die in Dörfern wohnen, die in natürlicher Weise in die Landschaft eingebettet sind. Die Betreuung besteht in Gesundheitsfürsorge, Schulausbildung für befähigte Kinder und allgemeine Pflege der Gemeinschaft. Das Wohnen in der Natur gibt immer noch die beste Voraussetzung für eine gesunde Lebensweise. Einzelheiten gehen aus beigefügtem Bericht von Christian Bumba hervor.

Alle unsere Tätigkeiten werden finanziert durch Ihre Spenden. Wir danken Ihnen dafür und bitten Sie, uns und den bedürftigen Menschen weiterhin treu zu bleiben.

Durch Ihre Spenden konnten wir zu Beginn des Jahres finanzieren: Projekt in den Slums von Bangalore "Mithra Foundation" DM 10.000,-. Für den Kauf eines Schulhofes legten wir zusätzlich DM 5.000,- aus. Projekt in Papinnayakanahalli bei Hospet "Arunodaya Poirada" DM 10.000,- und zusätzlich für den Kauf eines gebrauchten Jeeps DM 8.000,-. Die Betreuerin Mary Mathew fuhr bisher mit einem Roller zu 15 Dörfern über beschwerliche Wege. Das Mitnehmen von Medikamenten und ärztlichen Geräten war sehr schwierig. Der Wagen kommt den Menschen zu Gute, weil in Notfällen schneller geholfen werden kann, z.B. bei Geburten. Die Gelder für die Patenschaften, DM 250,- pro Kind und Jahr, werde ich Ende April nach Indien überweisen. Das neue Schuljahr beginnt Anfang Juni.

Abschließend möchte ich mitteilen, dass ich weiterhin großes Vertrauen zu den einzelnen Projektleiterinnen und Leitern habe und dass die Projekte gut geführt werden. Die Weiterführung ist gesichert, wenn Sie mitmachen. Wir bekommen korrekte Verwen- dungsnachweise der gespendeten Gelder und die Prüfung durch das Finanzamt verläuft ohne Beanstandung. Wenn sie also bereit sind weiter zu spenden, kann den Menschen in Indien auch in Zukunft geholfen werden. Sie geben nicht nur Ihr Geld, sondern Sie zeigen Anteilnahme, welches dem Selbstempfinden der Menschen gut tut. Also, es geht weiter mit unserer Arbeit! Ich danke Ihnen und grüße Sie herzlich!