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Everbody is a gift - jeder Mensch ist ein
Geschenk - die Projekte der Mithra Foundation in Bangalore
Die Stadt Bangalore hat uns in den ersten Tagen unserer
Indienreise im August 2004 ziemlich gefangen, der lärmende und stinkende
Verkehr mit den unzähligen Dreiradmotortaxis, die uns durch die Stadt
beförderten, die wenigen schönen Parkanlagen, in denen sonntags
viele Familien mit Kindern unterwegs waren, zu Spielplätzen und Zuckerwatte.
Vor allen Dingen scheint die Mehrheit der mehr als 6 Millionen Einwohner
der Stadt sich tagsüber ununterbrochen auf den Straßen aufzuhalten.
Wie Strandgut sieht man dazwischen immer wieder Frauen, Männer und
Kinder, die versuchen auf der Straße zu überleben, dort schlafend,
kochend, Müll durchsuchend, bettelnd.
Beeindruckend ist das Engagement von Bella und Joe Rosario
für ihre Organisation Mithra Foundation, das unser Verein, Brücke
der Menschlichkeit, seit Jahren unterstützt. Nur einen Kilometer
zu Fuß von ihrer Wohnung entfernt befindet sich eine eher unscheinbare
Slumsiedlung. In engen Gassen reihen sich gemauerte ca. 2,5 x 3 m fensterlose
Hütten mit Wellblechdach aneinander, in denen kinderreiche Familien
hausen. Einige der Kinder, die wir hier in einer Vorschulgruppe treffen,
machen auf uns den Eindruck, als wären sie bisher in ihrer Entwicklung
in diesen Hütten liegen geblieben. Mit großen Augen schauen
sie uns an, doch dann sagen sie uns nach Aufforderung der Lehrerin mit
großem Eifer die Buchstaben des Alphabetes und die wichtigsten Zahlen
auf und zeigen uns ein paar Jogaübungen, die sie gelernt haben. Wir
bewundern die Lehrerin, die bei minimalsten Grundlagen mit den Kindern
arbeitet. Die Kinder müssen oft noch ganz grundlegende Fertig-keiten,
wie das Unterscheiden von Farben oder die einfachste Koordination ihrer
Körperbewegung, lernen. Angesichts der Ausgangssituation wird uns
unmittelbar klar, dass ohne diese Vorschularbeit die Kinder unbe-schulbar
wären. Die Lehrerin erzählt, dass sie im Slum auch eine Frauengruppe
betreut, die wichtige Themen wie Ernährung, Gesundheitsvorsorge,
gegenseitige Hilfe usw. bespricht, und dort die Frauen motiviert, ihre
Kinder in die Vorschule zu schicken. Wieviel Aufbauarbeit hinter der Frauengruppe
und der Vorschule steckt, wird uns zwei Tage später bewusst, als
wir ein anderes Slum besuchen, das erst in den letzten drei Jahren auf
dem Gelände der indischen Bahn entstanden und deshalb stark räumungsgefährdet
ist. Hier sind die Hütten überwiegend aus Lehm gebaut. Es gibt
keine Elektrizität, keine Kanalisation. Als wir ankommen, wird gerade
das Wasser von einen Tankwagen geliefert. Seit ein paar Monaten gibt es
hier donnerstags eine Frauengruppe und mittlerweile nehmen eine ganze
Reihe Frauen regelmäßig teil. Doch insgesamt wird der Sinn
eines gemeinsamen Engagements sowie einer Vorschule für die Kinder
erst in Ansätzen erkannt, der Schul- und Versammlungsraum abends
oft missbraucht und unaufgeräumt hinterlassen. Bella erläutert
uns, dass dies am Beginn oft der Fall ist und die Frauengruppen erst im
Laufe der Zeit stärker und gemeinschaftsorientierter werden und dann
auch die Arbeit von Mithra Foundation besser schützen und unterstützen.
Der für indische Verhältnisse sehr schülerorientierte
Arbeitsansatz der acht Lehrerinnen an der Schule der Mithra Foundation
hat uns als Lehrer besonders überzeugt. Eine Lehrerin leitet seit
Beginn als Direktorin die Schule und sorgt sich mit zusätzlichen
Treffen einmal die Woche um Absprachen und Fortbildung, da die Lehrerinnen
in Indien nur eine kurze Ausbildung erhalten. Seit dem Beginn der Schule
vor acht Jahren unter-stützt unser Verein diese Schule und das Ergebnis
ist enorm. Wenn man die Ausgangssituation der Kinder in den Slums gesehen
hat, ist man beeindruckt, mit wieviel Disziplin und Freude sich die Kinder
schon in den ersten Klassen geben. Mit den älteren Klassen sechs
und sieben waren durchaus schon einfache Gespräche auf Englisch möglich
und alle Schülerinnen und Schüler wollten uns ihre Hefte und
Arbeiten zeigen. Nebenbei haben sie uns begeistert von indischen Filmen
und Liedern erzählt. Jede Patenschaft trägt in unseren Augen
also nachhaltig dazu bei, dass sich für die Lebenssituation des Kindes
neue Möglichkeiten eröffnen. Mit viel Elan hat jede Klasse uns
einige Lieder auf Englisch vorgesungen, besonders das Lied "everybody
is a gift" klingt immer noch in uns, wenn wir uns an die offenen
und interessierten Augen der Kinder erinnern. Auf der anderen Seite haben
sich die Nachrichten über unseren Besuch so schnell verbreitet, dass
abends die Kinder einer Gruppe zur Hausaufgabenbetreuung, die in andere
Schulen gehen und die wir abends besuchten, auch unbedingt die Spiele
und Lieder lernen wollten, die wir den Schülerinnen und Schülern
morgens auf Englisch beigebracht hatten. Zur Zeit gibt es für die
Schule jedoch das Problem fehlender Unterrichtsräume. Die erste Klasse
ist schon in eine dunkle Behelfsbaracke ausgelagert. Damit auch im nächsten
Jahr wieder eine neue erste Klasse eingerichtet werden kann und die bestehenden
Klassen bis zur Klasse 10, dem Ende der regulären Schulzeit in Indien,
weitergeführt werden können, muss die Schule ausgebaut werden.
Wir hoffen, das wir dies hier von Deutschland aus mit Spenden unterstützen
können, sowie Patinnen und Paten für bedürftige neue Erstklässler
finden.
Mary und Veranna in Papinayakanahalli - zwei Menschen
mit weitem Blick für die kleinen Dinge
Als wir nach einer Nachtfahrt im Zug in Hospet ankommen,
regnet es gerade ausgiebig. Begeistert erzählt Mary, die uns zusammen
mit Veranna dem anderen Projektleiter vom Bahnhof abholt, dass es dieses
Jahr zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder ausgiebig in der Regenzeit
regnet. Dementsprechend grün sind die Land-schaft und die Berge,
die Felder können endlich wieder bestellt werden. In dem Dorf Papinayakanahalli
leben größtenteils Menschen, die aus den verschiedensten Regionen
Indiens hinzugezogen und in irgendeiner Weise vom Eisenerztageabbau abhängig
sind. Ganze Familien verladen beispielsweise täglich das von Lkws
antrans-portierte Eisenerz in die bereitstehenden Eisenbahnwaggons. Dies
ist billiger als dafür Maschinen einzusetzen, denn der Verdienst
liegt gerade einmal bei etwas mehr als 0,30 € pro verladener Tonne.
Vor acht Jahren, als Mary anfing eine Schule aufzubauen, gab es hier gar
nichts derart. Mittlerweile besuchen etwa 250 Kinder die Klassen 1 bis
8. Sie gehören ganz verschiedenen Kasten und unterschiedlichen Religionen
an, 90% kommen jedoch aus ärmsten Verhältnissen. Über Mary
haben wir außerdem auch einige gebildete Muslime und Hindus in der
Umgebung kennengelernt, die alle die Arbeit der Arunodaya Poirada Organisation
unterstützen. Entge-gen eines bloßen Frontalunterrichts, wie
er in vielen indischen Schulen üblich zu sein scheint, bemühen
sich Mary und Veranna die Lehrerinnen zu einem mehr kinderorientierten
Ansatz zu bewegen. Im Laufe der Zeit merkt man, wie sehr hier in einem
positiven Zusammenleben Marys Geist das Schulleben durchdringt. Die Schule
genießt, wie wir bei einem Elterntreffen an einem Samstag feststellen
konnten, ein sehr hohes Ansehen, weil die Lehrerinnen sehr um alle Schülerinnen
und Schüler bemüht und die Klassen nur halb so groß wie
an Regierungsschulen sind, so die Eltern. Eine noch junge Mutter erzählt,
dass sie selber jahrelang in einer Regierungsschule war, jedoch nie richtig
lesen und schreiben gelernt hat, weil die Klasse zu groß und der
Lehrer nur an wenigen Schülern interessiert war. Während des
Elterntreffens trainieren die Schülerinnen und Schüler draußen
auf dem Pausenhof bzw. auf einem Platz in der Nähe Yoga- und andere
Körperübungen. So lernen die Kinder von klein auf eine bewusste
Koordination ihrer Körperbewegungen, die im sonstigen Lebensalltag
kaum geübt wird.
Während der Woche hört man den ganzen
Vormittag das eifrige Lernen der Schülerinnen und Schüler, immer
wieder werden die eigene Sprache Kanada, Mathematik und Englisch geübt.
Die Lehrerinnen bemühen sich mit Merksätzen und Liedern, die
Kinder zu begeistern. Als Lehrer aus Deutschland ist man von der Ruhe
und Disziplin und dem Arbeitseifer beeindruckt. Mittags sitzen die Schülerinnen
und Schüler zusammen und essen ihre von zuhause mitgebrachten Mahlzeiten.
Mary hat gut im Blick, bei wem es zuhause fehlt, und so werden diese Kinder
in der Schule versorgt. Überhaupt merkt man an allen Ecken und Enden,
mit welch weitem Blick sie sich um die Menschen im Dorf kümmert und
man spürt die große Dankbarkeit, die ihr entgegengebracht wird.
Sie hat beispielsweise eine ältere Frau aus einem entfernten Dorf
für eine gewisse Zeit aufgenommen, die nach dem Tod ihres Sohnes
und dann auch ihrer Schwiegertochter nichts mehr mit sich anzufangen wusste.
Diese Frau ist am Nachmittag einfach so Ansprechpartnerin für die
größere Zahl Kinder, die nach dem Unterricht noch in der Schule
bleibt, um gemeinsam Hausaufgaben zu machen, weil dies zuhause ungestört
kaum möglich wäre. Auch hier gilt, dass das vorhandene um mehrere
Behelfsräume erweiterte Schulgebäude einen weiteren Jahrgang
nicht mehr fassen kann, die Schule aber natürlich bis zur Klasse
10 weitergeführt werden soll. Nach jahrelangem Unterricht sollen
die Kinder auch einen richtigen Schulabschluss erhalten, um wirklich weiterzukommen.
Die Eltern haben sich schon zusammen organisiert und mit Unterstützung
weiterer Menschen aus der Umgebung wurde bereits ein Grundstück für
zwei weitere Klassenräume erstanden. Doch ohne unsere Unterstützung
fehlen die Mittel, diese zu bauen. Auf dem Grundstück haben Mary
und Veranna einen Garten angelegt. Es wachsen schon einige Sonnenblumen.
Nächstes Jahr, so hoffen sie, können hier die Schüler der
Klasse 9 schon selber Pflanzen anbauen und damit wichtige Dinge lernen.
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