Monatsbrief Februar/März 2010

Brief der Liebe

Das Leben tritt mit unserer Gestalt in Erscheinung. Das Wesentliche ist jedoch die gestaltende Kraft. Sie ist reiner Geist. Die gestaltende Kraft ist Liebe, die Liebe des Grundes zu seiner Erscheinung. Hier liegt der Ursprung der Liebe. Jeder von uns ist mit seiner Gestalt diese Liebe. Der Geist des Lebens liebt sich in deiner Gestalt. Wenn die Bestrebungen des Egobewusstseins zur Ruhe kommen, erlebe ich in meiner Stille die Anwesenheit des ungestörten Daseins. Meine ganze Sehnsucht (ohne es zu wissen) liegt darin, in diesen Ursprung zurückzu- kehren. Alle Bestrebungen im Leben dienen nur dem einen, in dieser liebenden Wahrheit zu sein.

Die Enttäuschung ist die Erfahrung, dort noch nicht angekommen zu sein. Die Liebe ist nicht einfach als Liebe für sich zu verstehen. Sie ist lebenswirkende Kraft. Im Bestreben zu lieben, kommt der Versuch auf, etwas zu besitzen, zu besitzen, was der Liebe entspricht. Mir scheint, das ist das ganze Spiel und der ganze Inhalt des Lebens. Es ist der Versuch, das Leben zu besitzen. Aber immer folgt Enttäuschung. So können wir beobachten, dass Besitzende immer weiter nach mehr verlangen. Die Enttäuschung, nicht am Ziel zu sein, verlangt nach mehr. Aber, was lässt mich das Ziel erreichen? Wir kennen diesen Verlauf auch in der Liebe zwischen Mann und Frau. Die Bezeichnung "Sex" wird hier dem geistigen Bestreben nicht gerecht. Die Liebe ist die Art und wirkende Kraft, Leben zu schaffen und zu erhalten. Nicht wir lieben, wir sind vom Lieben genommen. Wir sind getränkt von Liebe. Das Männliche möchte stets mit dem Weiblichen zusammenfließen und in seinem Grund verharren.

Bleiben wir beim leiblichen Geschehen, so können wir kein Ziel erreichen, und wenn wir haben wollen, entschwindet alles. So ist es auf allen Ebenen. Die Besitzenden bleiben arm an Leben. Im Vermehren des Geldes z.B. verarmen Reiche an Leben. So kann Reichtum Untergang des Lebens werden.

Der innere Lebensraum ist ohne Besitz. In dieser geistigen Armut (Leerheit) gebiert sich das Leben. In der Armut geschieht diese Geburt und sie schenkt sich mir und ich kann in vollen Zügen leben.

Liebe hat direkt mit Leben zu tun. Leben und Liebe sind eins. Lebe ich in der Liebe, so lebe ich ohne Mühe. Liebe ist in sich Kraft, die beflügelt. Andernfalls muss ich mir immer Mühe geben. Aber wie komme ich in das gelobte Land der Liebe? Alle Dichter von Liebesgedichten haben gedichtet, um eine Antwort zu finden. Alle Musik ertönt, um den Weg zu zeigen. Das ganze Universum ist eine einzige Antwort. Die Antwort lautet, vergehen in der Liebe, um zu bestehen.

Ich will etwas besitzen, um etwas zu behalten. Lasse ich dieses Bestreben (des Egos) gehen, indem ich zu sterben mich hingebe, das verlangt die Liebe, so erglühe ich in der zeitlosen Liebe des Lebensgrundes und ich erfahre die Liebe, die Liebe Gottes des Urgrundes, wo Liebe und Leben Eins sind, ohne Anfang und Ende.

Ist dieser Mensch vom Leben abgemeldet? Er genießt das Leben und erzeugt Lebendigkeit, wo er ist. Der Lebensgrund gibt mir Freiheit von allen Bindungen und fremden Einwirkungen. Bin ich nun in dieser Abgeschiedenheit dem Menschen untreu, mit dem ich in Treue zusammen lebe oder dem ich meine Treue zeige? Ich bin tiefer mit ihm verbunden, zeitlos und ohne Grenze, immer wirkend mit einer tiefen Erfüllung.

In der liebevollen Begegnung, liegt immer wieder ein neuer Lebensimpuls. Jede Liebkosung ist voller Leben, auch wenn es nur ein Blick ist, ein Wort oder eine Berührung. Hierdurch entfacht sich die Glut des Lebens in immer wieder sich erneuernder Weise.

Eine große, liebende Macht
hat uns ins Leben gebracht.
Sie lebt durch uns
und hat uns zu Liebenden gemacht.

Seid bereit, wartet nur, der Frühling kommt. Ein Geschenk!

Gruß Klaus



Monatsbrief Februar 2010

Liebe Freundinnen und Freunde!

Anlässlich meines 85. Lebensjahres ergibt sich schon mal die Frage, was ist für mich lebenserhaltend. In unserer Familie haben alle drei Söhne eine ausreichende wirtschaftliche Existenz. Jeder von ihnen hat eine Frau, mehrere Kinder und sie leben unter guten Lebensbedingungen. Für sie und Menschen, mit denen wir in Verbindung stehen, möchte ich durch meine Art etwas zeigen. Ich möchte zeigen, dass Du und die Menschen, die zu uns gehören und zu denen wir gehören, ihren Wert erfahren. Es ist ein Wert, der über alles erhaben ist. Es ist der Wert des Lebens selbst, ohne den nichts wäre. Es ist der Wert des Zeitlosen in der Zeit, ohne Anfang und Ende. Einen Anfang und ein Ende gibt es lediglich in der Vorstellung unserer Gedanken. Das Erlebnis des Lebens, das allein ist das Entscheidende, kennt weder Geburt noch Tod. Du lebst und lebst und lebst in einer ständigen Gegenwart. Du kannst sie erleben, frei vom Denken. Dann bist Du der Schöpfer deines Denkens, frei von fremden Einflüssen und Festlegungen. Ich möchte zeigen, dass es selbst für schlimme Lebenssituationen Lösungen gibt und dass keiner im Zwang der Hoffnungslosigkeit leben muss.

Wer die Sehnsucht nach einer solchen Lebensweise zulässt, wird den Weg dorthin für sich finden. Es ist der Weg in die Weite. Es ist ein natürlicher Weg. Er ist den Menschen eingegeben. Die geistige Haltung sucht sich selbst zu vervollständigen.

Antoine de Saint-Exupery hat für die geistige Situation eine Schilderung:

"Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit anzuleiten, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem endlosen Meer."

Gruß Klaus

Das Blatt im Wind,
es treibt immerzu weiter,
ich stehe, schaue zu.



Weihnachtsbrief 2009

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir leben. Indem ich das schreibe, äußere ich mein Denken. Denken und Schreiben sind Begabungen. Das Leben kennt unzählige Begabungen. Es ist selbst eine Begabung. Jeder Augenblick ist Erlebnis der Gegenwart. Das Leben selbst ist Begabung in sich. Es kommt aus einem unbekannten Grund und ist allein dadurch begründet. Alles, was so entsteht, ist echt, wahr und jenseits von gut und schlecht. Das Leben selbst kennt keine Not, es sei denn, die Umgebung gestattet nicht zu leben. Wenn die Umgebung mit seinen Bedingungen dem Leben dienlich ist, so gedeiht und blüht es. So zeigt sich das Paradies. Wird das Leben kurz gehalten, so entsteht die Hölle. Unwirtliche, karge Bedingungen und Unbequemlichkeiten stärken die Kraft zu leben. Das Leben selbst wirkt ständig mit einer aufrichtenden Kraft, bis die Kraft versiegt und in den Grund zurückgeht. Hier verlöscht das Licht des Lebens nicht, obgleich sich manchmal Dunkelheit zeigt. Sie gehört schon immer zum Leben. Nur hier versagt die aufrichtende Kraft. Diese Kraft, die sonst aufrichtet und die Gestalt hervorbringt, führt aus der Dunkelheit in einen anderen Bereich. Die Erlebnisfähigkeit bleibt. So gibt es kein Erlöschen.

Wir meinen, wir müssten Leben durch unser Wirken erzeugen und geben uns viel Mühe. Wir steigern uns ins Sachliche. Dadurch werden wir abhängig von gut und schlecht und erleben die Hölle. Wir haben die Grundwirklichkeit aufgegeben und leben in Gedanken. Wir haben uns nicht in der richtigen Wirklichkeit eingemessen, sind unglücklich, weil vermessen. Auch empfinden wir uns erhaben über das Geschehen des wirkenden Lebens, sind unglücklich, weil überheblich. Für die Unerträglichkeit dieses Befindens, auch Hölle genannt, machen wir gerne andere zuständig. Da, wo es unerträglich wird, dem Sterben nahe, kommen wir ganz plötzlich zu der Erkenntnis, du allein bist zuständig, denn es ist das Lebensspiel deines Bewusstseins. Dann kommst du endlich zu dir. Du f¨hlst dich wie neu geboren und lebst die Wahrheit des echten Lebens. Du erfährst das Paradies. Du hörst auf zu fordern, du hörst auf zu beschuldigen. Du liebst von Natur aus. Du wirst weit und du zählst deine Tage nicht mehr. So empfindest du dich nun. Du bist immer recht, immer lebendig, weil das Erlebnis der Gegenwart immer bleibt. Die Liebe aus deinen Träumen hat dich eingeholt. Mit diesem Brief bringe ich Unbewusstes ins Bewusstsein. Dieses muss nicht sein. Wer das Unbewusste gelten lässt, braucht diesen Brief nicht zu lesen. Für den, der auf ein Nebengleis gekommen ist, ist er eine Führung. In unser Vorstellung bilden sich, das entspricht ihrem Charakter, Annehmen und Ablehnen, Liebe und Nicht-Liebe. Wie können wir die reine Liebe finden?

Das Bild von Weihnachten ist da hilfreich. Träume nicht, sondern empfinde einfach, die Geburt des von Gott kommenden Kindes ist deine Geburt. Das Göttliche ist dein Leben, absolut und endgültig. Dann kann sich die Tür zu deinem wahren Leben plötzlich öffnen. Ein liebendes Ich entsteht. Ich, der ich dieses geschrieben habe, muss alle Vorstellungen aufgeben, damit ich den Himmel des einfachen Lebens genießen kann.

Frohe Weihnachten Klaus

Auf den Beinen stehend,
nehme ich die Welt wahr.
Erde und Himmel,

in wessen Hand sind sie gelegt.
Wessen Hauch ist mein Leben.



Monatsbrief Juni 2009

Liebe Freundinnen und Freunde!

Heute, wo ich dieses schreibe, ist Pfingsten. Ein solcher Feiertag hat ein geistiges Klima. Wir brauchen nicht nur ein Klima der Witterung, um ein lebensspendendes Umfeld zu haben. Wenn wir uns in der Landschaft umsehen oder zum Himmel schauen, was sehen wir dort eigentlich? Sind es nicht Gebilde in einer unendlichen Vielfalt mit unendlichen vielen Formen und Farben, die wir wahrnehmen. Lassen wir dann unseren denkenden Verstand ruhen, so empfinden wir eine gestaltende Kraft in allem. Frei von gut und schlecht breitet sich eine wunderbare Welt aus. Müssen wir dann noch das suchen, was wir mit Geist bezeichnen? Die sich bewegenden Lebewesen, die ruhende Natur, blühend in allen Farben, die aufgehende Sonne mit ihrer Lichtflut und aufkommender Wärme. Alles lebt.
Und der Mensch, der dieses zu erleben in der Lage ist, was ist mit ihm? Ist er in allem, was geschieht, mit enthalten? Fühlt er sich so als Wunderwerk, als etwas, was gestaltet ist aus geistigem Wollen in der Gestalt des Menschen, oder hat er sich abgetrennt, vereinzelt und ist in einem Zustand der Verlassenheit?

Er sucht nach dem, was er eigentlich ist. Er sucht seine Heimat. Er bewegt sich von Erlebnis zu Erlebnis, ohne erreicht zu haben, was er sucht. Er sucht nämlich sich selbst. Er hat das Selbst, aber es ist abgetrennt vom ganzen Universum, indem alles sich regt und lebt. Er sucht solange, bis er in seiner Verzweiflung endlich dort landet, wo er selbst ist. Und wenn er dann von allen Enttäuschungen geläutert ganz da ist, wach und lebendig, dann erfährt er sich selbst, als nicht anderes nämlich, als Gebilde des Geistes in der Gestalt, die ihm gegeben ist.
Eine Quelle, ein Grund, lässt ihn ständig erstehen und in seiner Gestalt voller Lebendigkeit da sein. Alle Wünsche, alles Suchen ist zu Ende. Das Empfinden, da zu sein, aus einer absoluten Kraft, gibt ihm Ruhe. Die Frage von Sicherheit und Unsicherheit, Leben und Tod, ist nicht mehr vorhanden. Er ist einfach lebendig. Das personale Bewusstsein ist abgelöst durch das in sich empfindende Selbst, das absolute Göttliche, was in allem waltend die ganze Welt hervorruft. Kann es da etwas Höheres geben, als einfach da zu sein. Hieraus erwächst ein schöpferisches Bestreben, eine Welt zu gestalten, wo das schöne und wertvolle Sein in Frieden sich formen, blühen und Frucht bringen kann.
Dem Menschen, der in den geistigen Grund eintaucht, zeigt sich ein Gesamtbild des Lebensgeschehens. Alles Erscheinende ist getragen vom geistigen Wollen, einfach lebendig zu sein und Leben zu erhalten und weiter zu geben. In diesem Geschehen ist Sinn und Ziel eine Einheit. Das Ego ist dort ausführendes Organ einer schöpferischen allein dem Leben dienenden Kraft. Der Grund des Lebens mit allen Auswirkungen, ist sinnvolle Einheit. Es gibt keinen Zweifel und keine Ratlosigkeit. Alles erfüllt den Sinn, einfach da zu sein und zu leben. Das ist Geist.

Viele Menschen haben diese Einheit verloren, im Sein zuhause zu sein. Das Ego ist dann auf einer ständigen Suche und verliert sich in Scheinwelten, in der Meinung, so müsse Leben sein. Das Ziel wird jedoch nicht erreicht. Es herrscht Enttäuschung und Fehlverhalten. Ruhe und Erfüllung kommen erst mit der Einheit im Grunde des Seins.
Diese Grundwahrheit ist überall da. Sie wartet darauf, genommen zu werden.
Vielleicht ist diese Art der Lebenserfahrung das, was mit Paradies bezeichnet wird. Es ist das Ziel der geplagten und angstvollen Menschheit. Es liegt immer dort, wo du bist.
Im Zen-Buddhismus wird so etwas mit Nirvana bezeichnet. Es ist die Verwirklichung des wahren Wesens des Geistes, welches identisch ist mit dem wahren Wesen des Menschen. (So sagt es das Lexikon der östlichen Weisheitslehre, Otto Wilhelm Barth Verlag)

Der Verstand kann so etwas nicht begreifen. Das reine Land des lebendigen Lebens ergibt sich dort, wo der Mensch vorgestellte Bilder, Wünsche und Einbildungen über das Leben aufgibt. Es ist eine religiöse Übung und die Religion kennt diesen Weg, wie z.B. das Christentum, der Buddhismus und die Sufis des Islam.

Gruß Klaus

Morgens
geht die Sonne auf,
abends
geht sie unter.
Im Frühling blüht es,
im Herbst ist es die Frucht,
makellos im Augenblick.



Monatsbrief Mai 2009

Liebe Freundinnen und Freunde!

Was ist der Mensch oder was können wir sein?
Wir sind eine Anhäufung von Zellen, Gewebe, Knochen und Organen. Alles ist durchtränkt von Flüssigkeit. Wehe, wenn die Zufuhr von Wasser aufhört. Es ist das große Problem der Menschen auf dieser Erde. Um welche dummen Dinge statt dessen gestritten wird. Aber darauf will ich nicht weiter eingehen.

Das Thema Mensch ist so unerschöpflich wie das Weltall und die Zeitlosigkeit der Zeit. Das Höchste, was diese Gestalt Mensch hervorbringen kann, ist die Liebe.
Sie ist Grund des Lebens und seine Auswirkung. Wer sich ihr ausliefert, ist voll lebendig. Die Schwester der Liebe ist die Treue. Du darfst sein, wie du willst und kannst. Mit meiner Treue bleibe ich dir treu. Du kannst es mir zutrauen. In dem Wissen und Empfinden gehe ich nie verloren.
Das Weltall ist unendlich weit und die Zeit ohne Grenze und wer kennt den anderen.
Inmitten des Unfassbaren steht die Treue von Menschen zu Menschen. In der Atmosphäre der Treue kann Leben leben und sich sicher sein. Ich bin nicht verloren in Verlassenheit und Hilflosigkeit. Es steht etwas zu mir, so wie ich bin. Hier gibt es keine Bedingung. In der Treue löst sich jede Feindschaft auf. Die Enge der Sorge und Not löst sich auf in Weite. Es gehört zu den größten Wundern der Erde, diese Treue des einen zum anderen.
Das, was die Gestalt des Menschen - die Anhäufungen einzelner Teile und Organe mit Haut und Knochen – ausstrahlt und von uns als Treue empfunden wird, ist die Wirkung dessen, was wir als Geist bezeichnen. Ich bin mir sicher, da, wo alles im Erlebnis des Menschen als verloren erscheint, bleibt am Ende die Treue. In der Verlorenheit zwischen den Menschen erwacht beim Einzelnen die Möglichkeit der Treue zum anderen und verscheucht die Feindschaft. Die Treue des einzelnen zum anderen gibt dem Leben seinen tiefen Sinn. Die wahre Treue ist göttlicher Natur. Sie wird auch bleiben über den Tod hinaus. Und wenn ich mich sterbend in Atmosphäre auflöse, so soll die Atmosphäre dich mit dem Lebenshauch der Treue voll erfüllen, damit du ruhend im Leben dich entfalten kannst: nur so, ohne was.

In der Treue leben, ist erfülltes Leben. Die Quelle ist die Treue Gottes zum Leben, das er ganz erfüllt und ist. Wo denn finde ich diesen Gott? Du findest ihn dort, wo du bist. Lass es ganz still werden in dir, so still, dass du verloren bist in dieser Stille. Du hast dich verloren und ihn gewonnen, der schon immer auf dich gewartet hat in seiner Treue zu dir.

Das Höchste in dir ist die Lebendigkeit. Sie ist die Gestalt des Körpers. Der Körper mit Zellen und Gewebe, Organen, Knochen und Haut ist Leben. Wer den Geist sucht, der wende sich seiner Körperlichkeit zu. Durch sie ist Geist anwesend. Du kannst empfinden, dein Sein in der körperlichen Gestalt ist zudem frei von der körperlichen Gestalt, ohne Anfang und ohne Ende.
Nun könnte gesagt werden, wo finde ich denn die Treue bei so viel Untreue? Die Untreue gebiert durch ihre Art die Treue, vielleicht dann, wenn ihre Auswirkung am schlimmsten ist. Da, wo das Lebenslicht mangels Anerkennung und Achtung gering ist, gebiert sich aus dem Nichts die Treue, spätestens beim Sterben.

Aber wollen wir bis dahin warten? Es ist sonst ein kümmerliches Leben. Es könnte einer sagen, keiner ist da, der mir Treue entgegen bringt. Warte nicht auf einen anderen. Gebe du die Treue und du weißt, was ich mit diesem Brief gemeint habe. Deine Lebensflamme wird dann aufleuchten. Dieses ist keine Romantik. Es ist die Wirklichkeit. Sie entscheidet über dein Leben. Du bist locker in dir und spürst dich nicht mehr. So erleichtert bist du dann.

Gruß Klaus

Wo hin
willst du?
Geist
und Wahrheit
sind bei dir!



Osterbrief 2009

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir sind geboren. Dadurch sind wir lebendig. Aber ist diese Lebendigkeit vollständig lebendig oder ist das Leben immer auf dem Weg zu einer vollständigen Entfaltung?
Wir empfinden Leid. Wir spüren eine Sehnsucht nach einem Ziel, ohne es genau nennen zu können. Wir erreichen Ziele, doch das Ersehnte stellt sich nicht ein. Wir sind ratlos, der Alltag grau. Wo bleibt die stille Ruhe, in der wir sein können, ohne etwas erreichen zu müssen, weil alles da ist.
Wir bleiben unruhig, was wir auch machen. Das Vollständige finden wir nirgendwo.
Wo wollen wir hingehen, in welches Land, um zu finden, was wir suchen?
Wollen wir hingehen in das Land der Reichen, wo kein Wunsch offen bleiben muss?
Wollen wir hingehen in das Land der Menschen, die Angesehene sind, weil sie Verdienste haben in Politik, Wirtschaft, Medizin und Religion? Wollen wir hingehen in das Land der Schönen, wo alles makellos gestylt ist und dem Auge alles geboten wird, was Eindruck macht?
Alles das ist wie ein Spiel auf dem Eis, das immer zu schmelzen droht.
Es bleibt vielleicht noch das Land der Gesundheit und des Sportes, wo alles auf das Nichtsterben ausgerichtet ist und kein Tod in der Nähe ist. Oder ist das Land der Erlösung dort, wo das Altern verleugnet wird?
Ich könnte noch mehrere Länder nennen, so z.B. das Land des Erfolges, der guten Zensuren in Schule und Studium. Jeder von uns weiß, so gut auch manches sein mag, wenn es überhaupt erreicht wird, es ist nicht tragfähig.
Es ist in der Gefühlswelt beheimatet. Wo bleibt das Gefühl des Erfolges, wenn sich Misserfolg einstellt? Wir kennen die Ballade von Schiller „Der Ring des Polykrates“.
Polykrates stand auf seines Daches Zinnen und schaute auf das hin, was er gewonnen hatte, Land, Ansehen, Macht und verlor alles, weil das gewonnene Glück das Unglück herausfordert.

Aber was bleibt uns dann noch, um das zu finden, was unserer tiefsten Sehnsucht entspricht, das ungestörte, reine Leben, was an Vollständigkeit nichts mehr offen lässt?
Menschen, bei denen alles Genannte ausgeblieben ist und die zudem in der Familie keinen Halt finden, versuchen es mit Drogen oder Überfluss im Reichtum.
Worin nun liegt die Lösung? Es genügt nur ein einzigstes Mal zu erfahren, was der Mensch in Wirklichkeit ist. Dieses wird dem beschert, der seine Not zu sterben auf sich nimmt und auf alles verzichtet, was ihn davon fernhält.
Alle genannten Länder erscheinen dann als Scheinwelten, die nicht das halten können, was sie versprechen. Die Rettungsversuche aus der Not erfolgten nur zum Schein. Die Rettung liegt darin, dieser sterbende Mensch sein zu wollen. Darin liegt die Göttlichkeit der Menschen und die volle Erfüllung.

Auch wenn die Weisen der Menschheit das schon immer predigten, läuft der Mensch seinen alten gewohnten Trott. Wie lange noch?
Die Gegenwart zeigt uns, dass es allerhöchste Zeit ist, nicht in eine Scheinwelt zu laufen. Du bist es selbst in deiner Einfachheit, das Land des dauernden Glücks und des erfüllten Lebens. Es ist immer dort, wo du bist. Du kannst dich dann in den genannten Scheinwelten aufhalten, ohne davon abhängig zu sein.
Wo soll ich denn ansetzen, um zu starten, damit es endgültig funktioniert, und ich es nicht verpasse?
Wenn z.B. jemand seine Freundin liebt, dann soll die Freundin sich nicht an der Nase herumführen lassen. Die wahre Liebe lässt sich nicht zum Schein auf Erfüllung ein. Sie riskiert das volle Leben mit Leben und Tod. Das gleiche gilt für die Freundin dem Mann gegenüber. Wenn wir da beginnen, gibt es in der ganzen Welt bald kein Täuschungsmanöver mehr.
Wann soll ich denn beginnen? Sei nicht mutlos, beginne sofort. Scheinwelten warten darauf, entlarvt zu werden. Die Zeit ist reif. Die Not ist groß. Willst du immerzu bei Enttäuschungen bleiben, ohne dich zu regen? Das Ziel liegt darin, sich auf den Weg zu machen. Warte nicht darauf, dass andere es für dich erledigen.

Die Scheinwelt gehört zum Leben. Es ist Lebensaufgabe, sich von ihr frei zu machen.
Im Sterben erst geht sie endgültig dahin.
Das Sterben ist nicht das Ende des Lebens.

Eine frohe Osterzeit!

Gruß Klaus

Abendruf am Ende eines ZEN-Meditationstages

Das Eine möchte ich euch allen ans Herz legen,
Leben und Tod sind eine ernste Sache.
Schnell vergehen alle Dinge.
Seid immer wach, niemals achtlos,
niemals nachlässig.



Monatsbrief April 2009

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir bilden eine Gemeinschaft von Menschen, die sich danach sehnen, in ganzer und heilvoller Weise im Leben zu sein. Wir möchten so da sein, dass sich der Sinn des Lebens erfüllt.
Wir sind uns sicher, dass das Leben seinem Grunde nach klar und einfach da ist und in sich ruhend. Nichts fehlt und nichts ist wegzunehmen. Wir sind es, dieses Leben. Unser Blick wendet sich vom Äußeren zum Inneren. Wir sind so in der Lage, ganz dieses Leben zu sein. Wir sind es schon, sonst lebten wir nicht. Häufig leben wir in einer verminderten Weise. Unser Werdegang hat das durch uns wirkende Leben nicht voll werten und achten können. Es liegt im Dunkeln. Sobald wir das erkennen und zulassen, erscheint es im Licht unserer Wachheit. Unser Körper verliert den Druck, wird leicht und von einer Kraft genommen, die uns wie ein Wind durchweht.
Es ist der Geist des Lebens selbst. Alle Bedenken und Ängste sind aufgelöst.
Entspannt und voller Kraft gehen wir unsere Wege. Über uns ein weiter, wolkenloser Himmel.
Die Welt ist Ausdruck wunderbaren Lebens. Der Verstand erfasst seine Größe und Weite nicht. Wir nehmen es wahr mit unserem wachen Geist. Es ist ein Zustand des Seins, frei vom persönlichen Ich.
Das persönliche Ich ist eine erdachte Form und keine lebendige Existenz. Die Person ist die Einbildung von Wert und Unwert, von gelungen und versäumt, von gewonnen und verloren. Dieses Vorstellungsgebäude ist die Folge von unnatürlichen und fremden Einflüssen und Forderungen.
Die Tiefe unseres Wesens ist still. Jenseits unseres vorgestellten Ichs ruhen wir im einfachen Sein. Das Sein ist das Universum selbst. Wir sind etwas, was schon immer war. Das Leben aller Zeiten und aller Orte zeigt sich in unserer Gestalt. Aus dieser zeitlosen und weiten Einheit erwächst unsere Gestalt. Das Gestaltlose bringt sie hervor.
Nicht wir haben das Leben, das Leben hat uns!

Was ist geschehen? Unsere Gedankenwelt – Vorstellungen, Wünsche und Erinnerungen - ist der Realität der lebendigen Daseinskraft gewichen. Ich bin nicht mehr die Folge meiner Mühe mit Erfolg oder Versagen. Ich bin einfach da. Das gegebene Geschehen ist Gegenwart. Die Welt mit seinen Gestalten ist körperlich. Das Geistige ist körperlich mit der daraus sich ergebenden schöpferischen Möglichkeit.
Es gibt immer den Menschen mit seiner Gestalt, ohne hoch und niedrig. Es gibt kein Jung und Alt, keine Vergangenheit und Zukunft. Es gibt Gegenwart!
In der Gegenwart ist das Leben lebendig und frei von gut und schlecht. Die Gegenwart ist das Instrument, auf der Gott die Symphonie des Lebens spielt.
Indem wir einstimmen, ergibt sich ein neues Ich.
Das Osterfest ist mehr als nur ein christliches Fest. Es ist die Auferstehung aus dunkler Verstrickung zu einem lichtvollen, geklärten Ich.

Mit freundlichem Gruß
Klaus

In der warmen Sonne
trocknen die Wege
und die Blumen blühen.



Monatsbrief März 2009

Liebe Freundinnen und Freunde!

Dieser Brief gilt unserer Gemeinschaft.
Es bildet sich eine Gemeinschaft allein dadurch, dass wir zusammen sind. Dieses Zusammensein hat seine Bedeutung allein im Sinn des Zusammenseins. Das Zusammensein ist reine Geistigkeit. Das Geistige bringt zustande, was im Äußeren sichtbar ist. Ist das nicht etwas zu hoch gegriffen? Wenn ein Mensch erfährt, dass alles Geist ist, so ist es richtig, von Geist zu sprechen.
Durch die Teilnehmer bildet sich ein Gruppengeist. Jeder, der kommt, hat eine geistige Haltung. Um den Grund zu finden, der uns allen gemeinsam das lebendige Leben gibt, muss der Einzelne für sich etwas unternehmen. Er muss aufgeben, was in das Gemeinsame nicht eingeht oder eingehen kann. Es ist der ihm eigene Stand und was er sich einbildet zu sein. Muss er das tun? Wir möchten ungestört lebendig sein. Das Leben bildet uns mit unserer Gestalt. Unsere Einbildungen stehen dem entgegen. Frei zu sein von Einbildungen, durch die wir uns von anderen unterscheiden, bedeutet, im „Nicht“ zu sein. Dieses „Nicht“ bildet das gemeinsame geistige Feld unserer Gruppe. Im Zen heißt das nach einem Koan von Meister Joshu, das „Mu“ zu sein.

Die Gruppenmitglieder werden durch das geistige Klima der Gruppe genommen und in natürlicher Weise zum „Nicht“ oder „Mu“. Dieses gelingt umso besser, je ernsthafter der Einzelne loszulassen in der Lage ist. So fördert der Einzelne das geistige Klima. Wer am meisten abgibt, ist reicher an dem geistigen Klima beteiligt und ist reicher an Leben. Die Gruppe lebt also nicht von einem Einzelnen. Sie lebt von der Ernsthaftigkeit aller. Es sind Menschen in unserer Gruppe, die sich vom geistigen Grund haben nehmen lassen und nicht im sichtbaren Vordergrund stehen. In ihrer Stille zeigt sich der Geist. Die im Vordergrund stehen, müssen sich umso mehr im Abgeben mühen. Auf das Ganze gesehen, haben wir viele „Stille“, die den Geist unserer Gruppe darstellen.

So bildet sich insgesamt aus unserer Gemeinschaft der reine Geist des Lebens, frei von Störungen aus dem Ego. Wer auch nur ein Millimeter mehr sein will als andere, stört den reinen Geist des Lebens.
Wir alle wollen uns ernsthaft bemühen, im reinen Geist aufzuwachen und in diesem Geist zu leben. So gibt es auch keinen Meister im Zen. Meister Obaku sagt im Koan 11 des Hekigan-roku: „Ich sage nicht, dass es kein Zen gibt; ich behaupte nur, dass es keinen Meister gibt.“
Im Zen heißt es, alle Buddhas dienen dem Einen.
Jeder soll von seinen Einbildungen zurücktreten und durch sich den Einen walten lassen.
In unserer Kultur können wir das Eine auch mit der Anwesenheit des Göttlichen bezeichnen.
In uns feiert das Eine die Anwesenheit des Lebens. Das Eine ist reine Liebe.
So bildet sich ein neues, geklärtes Ego, welches gespeist wird aus der Tiefe der Lebensquelle, ohne Falsch und Ängste.

Gruß Klaus

Koan: Mit leeren Händen führe ich den Pflug.



Monatsbrief Februar 2009

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir leben, das ist eine Feststellung. Müssen wir uns um eine solche Feststellung bemühen, wo es doch so selbstverständlich ist? Es gibt so viel zu erledigen und so viel zu tun, um den Ansprüchen des Lebens zu genügen und Verpflichtungen zu erfüllen. Wir leben in einem Sturm, der uns erfasst. Wir fühlen uns noch nicht einmal in einem Sturm, wir laufen automatisch und kennen nichts anderes. Wir sind eingefügt und laufen mit. Es kostet uns Leistung. Wenn der Sturm der Leistung uns eine Ruhezeit einräumt, suchen wir Unterhaltung und Zerstreuung. Langeweile macht uns Angst. Wir bleiben lieber in dem, was der Zeitgeist uns bietet. So mitzuschwimmen im Strom des Zeitgeistes und Anstoßen vermeiden, das ist es, was uns genommen hat.

Was stört? Schon eine Erkältung, eine fieberhafte Krankheit oder Schwäche, Müdigkeit und Alter sind störend. Manch einer wählt die Nacht, um zu leben. Die Dunkelheit schützt. Das Leben findet im Verborgenen statt. Es liegt darin etwas Verrücktes. Das Stattfindende ist das Leben selbst nicht. Das Leben selbst führt ein Schattendasein. In diesem Spiel schämen wir uns des wirklichen Lebens und wagen nicht, es zu zeigen.

Wir gewinnen Lebendigkeit des Lebens, wenn wir die Stürme der Welt mit seiner Beanspruchung sehen als das, was wir selbst genommen haben, ohne es zu wissen. Wir sind selbst der Zuständige. Und so können wir alles, was mit der Welt zusammenhängt, gehen lassen und finden so das ungestörte Leben, was wir selbst sind. Wir können dann in der Welt sein, erfüllt vom Leben, ohne den Zwang des Sturmes. Wir können von uns aus etwas unternehmen, und die Zeit ist in unserer Hand.

Was war geschehen?
Körper ist Geist. Der Geist wählt den Körper, um zu leben. Wir ignorieren Geist und Leben und treten mit einer Inszenierung in Erscheinung. Es zeigt sich ein vordergründiges Spiel, ausgerichtet auf eine Autorität außerhalb. Das Leben hat sich von meiner geistig körperlichen Lebendigkeit getrennt.

Ich befreie mich von dem Zwang der äußeren Autorität, indem ich mich in meiner Tiefe gründe oder besser, meine Tiefgründigkeit zulasse. Dann löst sich jeglicher Zwang auf wie ein Frühnebel, der von den Sonnenstrahlen vertrieben wird.

Gruß Klaus

Wie ernst die Amsel
auf dürrem Ast
bei Wind und Schnee



Monatsbrief Januar 2009

Über eine Einladung.

Wir sind im Leben. Dieses Leben möchte uns einladen.
Wieso kann es uns einladen? Das Leben ist die Gestalt des Lebendigen. Das Lebendige möchte uns einladen. Gibt es hier einen, der einlädt und einen der eingeladen wird?
Wir sind im Leben. Sind wir dadurch schon ganz anwesend im Leben und lebendig in seiner Gegenwart?
Das Leben ist gegenwärtig. Es ist die Gestaltwerdung des Geistigen. Das Leben mit seiner Gegenwart ist so, wie es ist, die Gestalt des Geistigen. So, wie es abläuft, ist es von einem geistigen Grund gewollt. Die Einladung bedeutet, sich mit dem geistigen Grund zu vereinen, ganz zu diesem geistigen Grund zu werden. Der geistige Grund ist die Wirklichkeit des anwesenden Lebens.
Wie finde ich dort hin? Ich gebe auf, worauf ich setze.
Gibt es etwas, was dem geistigen Grund gleichkommen könnte? Der geistige Grund ist das Leben selbst, sein Grund und seine Gestalt. Ich bin dieses! Was ist seine Eigenart? Seine Eigenart ist die Liebe.
Indem ich seiner Einladung folge, werde ich von seiner Liebe getragen. Das Leben ist die Folge der Liebe des geistigen Grundes zum Leben. So wie ich bin, bin ich geliebt. Ich bin die Gestalt der Liebe. Ich lebe, indem ich liebe, was das Leben ausmacht. In dieser Liebe gebe ich mich auf und werde ganz zu diesem Leben. Das Leben erfüllt mich ganz. Es ist die physische Gestalt, die Form des Geistes und zur gleichen Zeit die Anwesenheit in allem, was lebt, ohne Grenzen und zeitlos.
Wenn wir also der Einladung des Geistes folgen, sind wir eingeladen zum Leben und zur Liebe mit allem, was ist, je war und sein wird. Wir sind Geist in diesem Geist.
Wir sind dieser physische Körper und zur gleichen Zeit Geist und frei von diesem Körper. Der Geist ist physischer Körper des Einzelnen und zur gleichen Zeit die Anwesenheit in allem, was existiert. So bist du grenzenlos weit. Du kannst durch deine Art, so wie du bist, die Welt mit seinem Geschehen beeinflussen. Ich möchte die Welt durch meine Liebe beeinflussen und sie werden lassen in Liebe.
Ist das meine Liebe? Mein Ich ist die Form des Geistes. So also ist die Liebe die Liebe des Geistes, der ich bin. Nichts an mir und in mir ist ohne die Liebe des Geistes.
So kann ich einfach leben und glücklich sein.
Stelle ich mich so über das Leben und bin überheblich?
Lasse ich mich nehmen, so bin ich ganz das Leben. Das Leben selbst lässt nichts aus, was zu ihm gehört. Das ganze Leben erst lässt den Grund in dir lebendig werden. Der, der etwas auslässt, der lässt das Leidhafte aus. Im Leid wirst du in natürlicher Weise mit dem Grund gleich. Du musst das Leid nicht suchen, ihm nicht aus dem Weg zu gehen, genügt

Gruß Klaus

Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen, wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?

Aus „Liebeslied“ von R.M. Rilke



Monatsbrief Dezember 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Geschützt zu sein, ist unser Grundanliegen. Wir möchten geschützt sein. Das Leben selbst will es so. Das kleine Kind lebt im Schutze der Eltern, die Mutter hält es an sich, um es zu schützen. So ist der normale Verlauf. Die Entwicklung des Menschen aber will es, dass das Kind erwachsen wird. Wird es dadurch schutzlos?
Das Bedürfnis bleibt, das Bedürfnis, geschützt zu sein. Und so suchen wir nach geschützten Verhältnissen. Aber können wir uns letztlich schützen? Ist es nicht manchmal so, dass wir nichts unternehmen, weil wir uns nicht schutzlos fühlen wollen. Der Fisch, der das Schilf nicht verlassen möchte, was ist mit dem? Er lernt die Tiefe des Meeres nicht kennen. Der Adler, der das Nest nicht verlassen möchte, lernt die Weite der Wälder nicht kennen.
Das Leben selbst scheint auf Wagnis angelegt zu sein. Es kann nicht sein, dass das Leben so geschaffen ist, dass man es nicht nehmen sollte. Dann würde es seinen einzigen Sinn, nämlich zu leben, nicht erfüllen. So kann es nur so sein, dass das Leben so ist, dass es etwas in sich birgt, was es frei macht von Wagnis und Nichtwagnis.
Das Leben ist eine Kraft mit einem umfassenden, schöpferischen Wollen, so dass es nie das Eigene, nämlich das Lebendige verliert. Es ist göttlicher Natur. Es sucht immer zu gestalten mit der Kraft, die das ganze Universum belebt. Alles bleibt im Schöpferischen. So ist auch das Sterben eine Umwandlung der Gestalt zu Weiterem

Ins Leben zu gehen heißt also, diese gegebene schöpferische Kraft vollständig zu sein, um mit ihr schöpferisch das Leben zu gestalten.
So sind wir Erwachsene. Die Lebenskraft ist eine Kraft, die uns liebt und uns lieben lässt. Wir lassen gehen, was uns von der im Ursprung ruhenden Liebe trennt.
In dieser liebenden Kraft wollen wir sein und leben. Das ist der Sinn des bevorstehenden Weihnachtsfestes.
Gibt es da etwas, was direkt anspricht? Das gibt es! Immer geht es darum, in einer Weise leben zu können, die uns voll da sein lässt. Volles Dasein ist Gegenwart.
Die Gegenwart ist immer da. Wir sind also vollständig da. Wir lassen das gehen, was die Empfindung, ganz da zu sein trübt, nämlich unsere Vorstellungen. Wir trauen der Wirklichkeit nicht. Weihnachten bedeutet, dass das Dasein von einem liebenden Gott beschert wird.
Die Gegenwart zu leben, ist also ein Geschenk Gottes oder besser, es ist in geistiger Weise das Leben selbst.
Der Schlüssel, mit dem die Tür zu diesem reinen Dasein geöffnet wird, ist meine Mutter. Jenseits von allem Vordergründigen, ist sie die reine Lebensgeburt und so die Gottesgeburt.
Indem ich sie liebend nehme, werde ich zu dem Lebendigen. was aus der Tiefe aufsteigt und mich gestaltet. Ich kann mich dann nehmen, wie ich bin. Ich kann auch sterben. Dieses entspricht dem schöpferischen Plan Gottes. In ihm gehe ich nie verloren. Ich vernachlässige meinen Vater nicht, er gibt mir im Dasein die Kraft, aus dem Leben etwas zu machen.

Gute Wünsche für Dich und ein frohes Weihnachtsfest! Klaus



Monatsbrief November 2008

Der Weg der inneren Heilung – eine Übung, in ernster Weise mit dem Leben umzugehen.

Liebe Freundinnen und Freunde!

Das Leben ist nicht erklärbar. Ich kann Lebensdaten nennen, Namen und einzelne Vorgänge. Habe ich damit erfasst, was Leben ist? Was sagt mir die Zeit, was sagen die Jahre, die ich zählen kann? Sie messen etwas, was ich besser in anderer Weise ausdrücke. Das Gemessene ist Ausdruck des Unmessbaren. Wo etwas gemessen wird, muss es unmessbare Weite geben. Wie könnte ich sonst ausmessen.

Hier bin ich schon an einem Punkt angelangt, der wie viele andere bedeutsam ist und heilsam wirkt. Wenn ich dem Maß meines Lebens zustimme, werde ich weit.

Das Leben ist Ausdruck einer geistigen Voraussetzung und seines Wirkens, die diese Lebensgestalt hervorbringt, die ich bin. Mein Leben, so wie es ist, ist Ausdruck eines geistigen Wirkens. Der Mensch, der sich sammelnd in das Wirken des Geistes vertieft, erfährt sich ohne Anfang und Ende, also zeitlos.

Für das, was wir mit Geist bezeichnen, können wir auch sagen, es sei die Anwesenheit Gottes, oder das lebendige Leben ist die Auswirkung eines lebendig anwesenden Göttlichen. Dann ist das Leben immer, wie es auch ist, die Anwesenheit des lebendigen Gottes.

Dieser Mensch nimmt sein Leben als wertvoll und frei von richtig und falsch. Er nimmt es genau so, wie es ist. Das Leben ist dann eine kraftvolle Erscheinung, der sich der Mensch voll überlässt und von der er sich getragen weiß. Es hat ihn schon getragen über die Geburt oder in Form der Geburt und trägt ihn ständig und über das Ende seiner Jahre hinaus in die Zeitlosigkeit des Göttlichen.

Das ist erfülltes Leben. Alles Lebendige ist auf diesem Weg. Unsere Not und Angst sind Zeichen dieses Weges. Not und Angst führen zur Vollständigkeit. Eines Tages wird jeder voll erfüllt sein. So will es die geistige Ausrichtung des Lebens. Gott selbst ist das Leben.

Worin besteht nun die Übung der Sorgsamkeit?

Das Leben wird uns ständig gegeben. Unser Denken und Wünschen führt uns weg davon. Wir üben, Denken und Wünschen aufzugeben. Bleiben wir auf dem Lebensweg, wie ihn die Gegenwart geht, so sind wir im Einklang, weichen wir davon ab, so sind wir verwirrt. Wir klären unseren Geist und leben im Frieden, indem wir der sich zeigenden Wirklichkeit folgen. Diese Wirklichkeit zeigt sich überall dort, wo sich das Leben abspielt. Ich messe mich in dieses Lebensfeld ein, genau, ohne meine Grenze zu übersteigen. So bin ich nicht vermessen. Ich bleibe tief mit der Wirklichkeit verbunden und kann auf der anderen Seite meine Begrenzung nicht übersteigen, so bin ich nicht überheblich. So bin ich im Einklang mit dem Geist der Wirklichkeit und im tiefen Frieden.

Was bedeutet das für den Menschen?

Der Mensch ist in seiner Weise zu leben festgelegt. Ich achte das Menschsein, so wie es ist. Ich nehme dich, wie Du bist und so kann ich mich nehmen, wie ich bin.

Ich verwende Sorgfalt und habe Achtung dem Leben gegenüber. Kann ich eigentlich sagen, es sei mir gegenüber? Ich bin es. Ich kann es in mir wahrnehmen.

Der Verstand hat begrenzte Aufgaben, gelernte und erfahrene.

Für die Wahrnehmung im geistigen Raum ist der Geist selbst und nur er alleine zuständig. Es ist „Dein“ Geist. Der Geist ist verborgen. Er ist unbewusst. Jedoch er ist das Leben. Also habe ich mich nach ihm zu richten. Er zeigt sich in meiner Natur. Also habe ich zu üben, meine Natur zu sein.

Da ich sie bin, übe ich alles zu lassen, was mich von meiner Natur trennt. Dann bin ich ganz der Geist des Lebens und in einem tiefen Frieden. Dort gibt es weder Hass noch Neid noch Eifersucht.

Der Geist ist rein. Es ist der Geist Gottes. Nun schauen wir in die Welt und sehen in vielen Bereichen Menschen im Kriegszustand und in Not, alt und gebrechlich zu sein.

So kommen Zweifel auf. Das Göttliche sieht man als frei von Unfrieden, Not und Gebrechlichkeit. Man sieht das Göttliche außerhalb dieses Geschehens. Wir möchten aus dem Menschlichen aussteigen und ins Göttliche einsteigen. Wir möchten Erlösung. Das sind Wünsche und Vorstellungen. Die Wirklichkeit des Lebens lehrt uns etwas anderes.

Derjenige, der Not, Gebrechlichkeit und Vergehen nimmt als sein Eigenes, der wird erlöst und erfährt seine Göttlichkeit.

Hass, Neid und Eifersucht schmelzen dahin wie Schnee in der Sonne. So kommen wir in den ersehnten Frieden und können lieben.

Im Licht der Liebe gedeiht das Leben. Es ist die Liebe des Lebens, die in dir das Fest des Lebens feiert.

Meist Eckehart sagt: „Gott braucht dich, um zu leben.“

Es gibt Menschen, die fragen, muss das so sein? Sie meinen, die Menschen müssten ordentlich sein und uns allen das Paradies bereiten. Mit dieser Auffassung stellt man sich über das Leben.

Wir haben uns dem Plan Gottes zu fügen, dann leben wir. Nur das ist es. In diesen Plan völlig einzustimmen, ist Erlösung.

Gott vergisst keinen, er ist in allem und in allen.

Gruß klaus


Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen.
mein sind die Jahre nicht,
die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein,
und nehm ich den in acht,
So ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht

Andreas Gryphius
(1616-1664)



Monatsbrief Oktober 2008

Wenn die Erde sich vor uns ausbreitet und nach allen Seiten hinter dem Horizont verschwindet, wenn wir in den Weltraum schauen, in dessen Unendlichkeit unsere Erde ihre Bahn um die Sonne zieht, dann sind wir berührt von dem unbegreiflichen Walten des Universums. Was ist mit den Bäumen vor dem Fenster, dessen ungezählte Blätter sich vom Grün ins Rotbraun färben und was ist mit den Käfern, die ich in der Rinde weiß oder den Würmern in der Erde?
Das alles ist ein gigantisches Kräftespiel.

Wir, als Menschen, sind mit unserer Gestalt Teil dieses lebendigen Spiels. Es ist das Geschehen des Lebens. Es bildet so das gewaltige Werk des Universums. Wir sind eine Äußerung dieses Wirkens. So wenig wir auch sind, wie ein Sandkorn in der Wüste, so sind wir doch die voll wirkende Kraft des Universums. In unserer Kleinheit wirkt das Großartige. Alles, so empfinden wir, kommt, gedeiht und geht in dieser einen Kraft, die wir die Anwesenheit des Geistes nennen. Wir ahnen es, aber wissen es nicht, weil es unserm Verstand verborgen bleibt.

Unseren natürlichen Augen zeigen sich Gestalten, Formen und alles, was existiert. Diese gestaltende Kraft folgt einem göttlichen Plan. Durch diesen Plan sind wir. Wenn ich von „Samadhi“ spreche, dem Zustand, ganz gegenwärtig zu sein, so ist dieses die Erfüllung des göttlichen Plans. Derjenige, der ganz gegenwärtig ist, hat seine eigenen Vorstellungen aufgegeben und empfindet sich in diesem göttlichen Plan. Er empfindet sich als göttliche Anwesenheit. Es ist eine geistige Schau. Der Mensch lebt mit zwei Lebensteilen, einmal mit dem von ihm Erkannten, seine Sicht der Dinge, und einmal mit der geistige Anwesenheit des Lebensgrundes selbst. Bleibt er in seiner Sicht, so ist er selbstbezogen eng, lässt er sich auf seinen Grund ein, so ist er selbstlos weit.

Das Dasein erwächst aus der Energie des Grundes mit den sich daraus ergebenen Möglichkeiten. Diese Lebenskraft bleibt, wenn die Vorstellungswelt mit dem Grunde des Lebens im Einklang ist. Das bedeutet Heil und Heilung. Die Vorstellungswelt entspricht dem Ego. Heil ist dort, wo das Ego dem Göttlichen dient. Das bedeutet, im Unheil fühlen wir uns vom Göttlichen getrennt. Ich könnte auch sagen, das Unheil sucht, indem es uns nimmt, das Heil im Göttlichen.
So ist der Werdegang des Lebens.

Immer geht es darum: Das Leben ist vollständig zu nehmen. Das Unheil gehört dazu. Das Unheil ist das geistige Klima, in dem wir göttliche Menschen werden. Es weckt die Lebensgeister. Liegt darin, so möchte ich sagen, nicht das Liebeswirken Gottes? Immer sind wir seine Auswirkung, auch dann, wenn wir uns scheinbar verirren.

Wenn unser Ego eingeht in den göttlichen Grund, so ist es geläutert. Es schaut dann liebend in die Welt und bringt Heil. So kann Unheil – Krankheit – der Weg zum Heil sein.

Wenn wir zum Arzt gehen, so wollen wir dankbar sein, dass er da ist und seine Hilfe annehmen. Er hat Wissen und Erfahrung.
Die Frage von Heil und Unheil bleibt jedoch bei uns.
Wir sollten, um bei der Wirklichkeit zu bleiben, im Arzt einen Menschen sehen, der so ist wie wir.
Der entscheidende Schritt bleibt bei uns.

Gruß Klaus


Gebet der Stille

Wenn es still wird in dir, so betest du zu Gott:
„Das Leben ist so undurchsichtig,
gib du mir Ordnung zu sein,
denn du bist der Lenker.“

Du betest, bis die Worte versiegen.
Und was dann: Gott betet in dir das zeitlose Gebet des Lebens
und - - - du lebst.
und ganz tief: Gott verlässt mich nie.

Klaus



Monatsbrief September 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Das Leben selbst ist das Höchste. Das Leben selbst, ist das, was ist. Es ist unbeschreiblich. Das Leben selbst erlebt sich in unserer Gestalt.
Wir sind mit unserem Bewusstsein seine Gegenwart. Und was ist Gott? Du fragst noch? Er ist es. In ihm ist alles.
Ich kann mich dem Leben anvertrauen, indem ich eine Ordnung schaffe, um Leben zu ermöglichen, indem ich arbeite und herstelle, was das Leben fördert. So kann ich wohnen, essen, trinken, ruhen und arbeiten.
Was bedeutet das alles? Zunächst habe ich mich dem Geschehen des Lebens zu überlassen, um überhaupt lebendig zu sein. Und wo ist Gott? Du fragst noch?
Er ist alles.

„Was ist das Leben?“ fragt der Enkel, der gerade erst da ist, den Großvater, der schon länger ist. „Du bist das Leben“ sagt der Großvater.
„Wie kann ich das Leben sein?“ „Nicht Du bist es, das Leben braucht Dich, um zu sein. Wenn Du es selbst sein willst, dann ist es das, was Du machst, denkst, Deine Bildung, Dein Wissen und Können. Du wärest dann wie ein Fisch, der nicht das unendliche Meer wahrnimmt.“ „Du sagst, ich sei also das Leben, was mich leben lässt. Wie kann ich es sehen?“ Darauf der Großvater: „ Du kannst es nicht sehen, das Leben sieht Dich.“ „ Ist das das Auge Gottes, des Gottes, von dem Du gesprochen hast?“
„Es ist das Auge Gottes,“ ist die Antwort. „Kann ich mit dem Auge Gottes sehen?“
„Du kannst es, wenn Du die Brille absetzest, mit der Du das Leben nach Deinen Maßen sehen willst.“ Der Enkel fragt: „Was muss ich tun?“ „Eines Tages , wenn die Zeit reif ist, wirst Du sehen, dass Du mit Deinen Maßen dem Leben nicht gerecht wirst. Dann verliert sich Deine Brille und Du siehst mit dem Auge Gottes.“

Gedicht vom Großvater

Es ist es,
im Sitzen die Bewegung
im Gehen ganz still,
in der Zeit ohne Ende
und im Endlosen die Zeit,
was Dich leben lassen will.

Der Enkel fragt:

„Wo führt das hin?“

Der Großvater:

„In der ganzen Welt ist nichts,
was mehr ist als Du!“

Gruß Klaus



Monatsbrief August 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Ein Brief wie dieser sollte ein Liebesbrief sein. Wenn ein Brief geschrieben und gelesen wird, soll er so sein, dass Schreiber und Leser gemeinsam aus dem Brunnen schöpfen, den wir Brunnen des Lebens nennen. Wir dursten nach Leben. Dieses ist uns gemeinsam und wir möchten nichts als lieben. Wir möchten aufgehoben sein und durchströmt sein von Liebe. Darin könnte, so ist unsere Sehnsucht, sich die ewige Mühe, etwas zu erreichen, auflösen und einmünden in die himmlische Empfindung, am Ziel zu sein. Ein Ziel, neben dem es kein anderes mehr geben kann: den endgültigen Frieden des Geistes.

Gemäß meiner familiären Tradition habe ich mich bei der Suche nach Frieden dort umgesehen, wo ernste Menschen zu diesem Ziel auf dem Weg sind. Ich fand sie im Bereich der Mystik, dort, wo das Innere des Menschen zur Geltung kommt und erfahren wird. Das Typische dieser Mystik ist die Achtung vor dem Leben, die Achtung vor dem, was das Leben ausmacht und die Anerkennung, dass das Leben bei dem, was sich ereignet, nur das eine Ziel verfolgt, den endgültigen Frieden zu finden.

Wir finden unsere Sehnsucht in den Geschichten religiöser Menschen. Ein solcher Mensch war Bodhidharma. Er lebte im alten China (gest. 532). Zu ihm kam ein Suchender. Er hieß Eka. Die Geschichte erzählt, dass Eka den Bodhidharma aufsuchte, weil er als ein Mensch galt, der den Frieden gefunden hatte. Bodhidharma weilte damals in einem Kloster. Eka bedrängte ihn Tag und Nacht, ihm zum Frieden zu verhelfen. Bodhidharma lehnte ihn immer ab. Er ließ ihn stehen in Kälte und Schnee, so sagt es die Geschichte. Die Geschichte sagt weiter, er nahm ihn an, als er seine Ernsthaftigkeit dadurch bewiesen hatte, dass er sich den Arm abschlug und blutend im Schnee stand. Hier wird betont, dass einer, der den Frieden zu erlangen versucht, eine Ernsthaftigkeit mitbringen muss. Hier geht es um das Leben selbst.

„Der Geist deines Schülers ist noch unruhig. Ich bitte dich, Meister, ernsthaft, befriede ihn!“ Bodhidharma sprach:“ So bringe ihn her, ich will ihn befrieden.“ Eka sprach: „Ich habe nach jenem Geist gesucht, aber ich kann ihn gar nicht finden.“ Bodhidharma sprach:“ Ich habe schon den Geist für dich befriedet.“
Das bedeutet, der suchende Eka hatte durch stille Versenkung den Geistesfrieden und die Befreiung erreicht. Bodhidharma war in diesem Frieden und Eka wurde ihm gleich. So sind wir alle miteinander gleich in diesem ersehnten Frieden. Er ist schon immer da, zulassen müssen wir ihn. Darin liegt die Lösung.

An einer anderen Stelle in der Geschichtsschreibung des Zen wird beschrieben, wie Bodhidharma seine Schüler fragt: „Sagt, was ihr erreicht habt.“ Da gab es mehrere Antworten, die jedoch noch erklärenden Charakter hatten. Die zufrieden stellende Antwort sah folgender Maßen aus: Hui-k’o, so hieß der Schüler, stand ruhig da und verneigte sich einfach.

Gruß Klaus



Monatsbrief Juli 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Was macht eigentlich unser Leben aus?

Es gibt einen Arbeitsbereich, wo es um Verdienst und Wohnen, Essen, Trinken und um eine Wirkungsstätte geht. Es gibt einen politischen Bereich, wo es um die Rechte einer Bevölkerung geht, um Heimat, um das Land, in dem ich wohne und um die Bevölkerung der Erde und um Klima und Naturschutz.

Bei meiner Eingangsfrage geht es mir um das Menschsein des Menschen, was da ist.

Es geht um den, der in der Lage ist, Mensch zu sein.

Arbeit und Politik sind Ausübungen dessen, der da ist in seiner Kraft und in die Lage versetzt ist, etwas zu unternehmen. Der Mensch, der da ist, in dem zeigt sich das Leben. Nicht seine Unternehmungen sind sein Leben. Es sind Folgen dessen, dass er lebt. Wir haben Schwierigkeiten im Leben, wenn wir dieses nicht unterscheiden. Wir haben zuerst danach zu suchen, was unser Leben ausmacht. Wenn wir das nicht machen, können wir nicht ruhen. Wir bleiben sonst immer dem Verdienst und dem Erfolg verhaftet. Es ist ein angstvolles Leben, voller Sorge, nicht das Ziel erreichen zu können. Es ist ein Unternehmen, was auf der Strecke bleibt, weil das Ziel eine Illusion ist.

Jenseits aller Illusion ist die Wirklichkeit des Lebens selbst, ist das Leben, was lebendig da ist. Es ist nicht mit dem Verstand zu erfassen. Es liegt im Unwissen und nur der geistigen Wahrnehmung erfahrbar. Ganz leicht wie ein Hauch ist es da, das Leben.

So leicht, wie ein Hauch erfährt es sich. Der vom Leben durchwehte Körper kennt keinen Druck.

Der Tag und die Nacht: So leicht wie ein Hauch, weicht die Dunkelheit dem Licht. Kein Mensch kann es, es geschieht. Deine Lebendigkeit, so leicht wie ein Hauch, geschieht es mit deiner Gestalt. Wir tun uns schwer damit, und so entsteht Schweres. Zu sich selbst zu kommen und sich zu finden, bedeutet, die Schwere los zu lassen und den leichten Hauch des Lebens in unserer Leichtigkeit zu erfahren. Wir müssen sie nicht suchen, sie ist da.

Ein Mann, wenn er noch so kräftig ist, kann sich nicht aus sich selbst bewegen.

Die Kraft sich zu bewegen, ist der leise Hauch des Lebens selbst.

Gehst du durch den Wald und du siehst alles im saftigen Grün, was zeigt sich?

Es zeigt sich der leichte Hauch des Lebens in dieser Gestaltung. Es geschieht in völliger Stille.

Es kommt der Abend. Die Dunkelheit tritt in Erscheinung und vertreibt das Licht, unausweichlich mit großer Macht. Die Jahreszeiten kommen so und gehen.

Und was ist mit dir? Du bist dieses Geschehen. Du wirst leicht, wie dieser Hauch, wenn du mitgehst mit diesem unabänderlichen Geschehen. Es ist eine göttliche Wahrheit.

Muss ich mir das durch Leistung erarbeiten? Die Übung des Zazen geschieht in ausdauerndem Sitzen. Die Ausdauer ist eine Eigenart, die ihre Beständigkeit dadurch erlangt, dass sie das Schwere abwirft, sonst kommt sie nicht zu ihrem Ziel. Die Übung liegt darin, die Gedanken gehen zu lassen, um in die völlige Stille einzutreten. Sie ist der ungestörte Lebensgrund, der die Leichtigkeit hervorbringt. Sie zeigt sich in Leerheit und Weite.

Gruß Klaus



Monatsbrief Juni 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Die Worte sind es nicht,
das Gesagte,
es ist das, was lebt.
Es soll blühen
und darf bestehen
und jeden Tag mit uns weitergehen.

Das Machen ist es nicht,
das Getue,
es ist, das was wirkt.
Es soll sich entfalten
und sich geben
und jeden Tag mit uns weitergehen.

Es ist das Haus nicht,
das gebaute,
es ist die Kraft,
die lässt entstehen.
Ihr wollen wir uns anvertrauen
und jeden Tag mutig weitergehen.

Wenn die Kräfte verwehen,
so wollen wir mit ihnen gehen.
Und was ist geschehen?
Wir bleiben in Gottes Zeit,
ohne Form,
unendlich weit.

Klaus Wansleben

Gott liebt in dir sein Leben. In jedem Augenblick bist du seine Vollständigkeit.
Wir wollen uns lassen und leben.
Die Welt schafft sich unentwegt aus ihm, der das Leben selbst ist.
Sein Dasein in allem ist ein einziges Wunder.
Seine Stille soll sich in uns aufrichten und Gestalt sein.
Alles geschieht in seinem Sinne.
So wollen wir leben und glücklich sein.
Wir wollen einstimmen in die immerwährende Symphonie des Lebens.
Wir sind die Instrumente, auf denen Gott die Melodie des Lebens spielt.
Er ist der nie endende Ton aus der Stille endlosen Seins.

Gruß Klaus



Monatsbrief Mai 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Ich möchte mit einer Frage beginnen: Gibt es etwas, was richtig und sinnvoll für mein Leben ist?

Diese Frage ist die Grundfrage für den Menschen, der sich in der Situation befindet, in der er einen Menschen liebt. Ich möchte in seiner Gegenwart in einer Weise da sein, dass er nicht durch mein Verhalten etwas erfährt, was nicht dem Menschsein entspricht. Ich möchte ganz da sein. Auch möchte ich fragen, lebe ich vordergründig oder aus der Tiefe des Lebens.

Diese Frage wird um so dringender, je mehr Menschen zu mir gehören. Es muss nicht immer eine Familie sein. Diese Frage stellt sich auch den Lehrern und Betreuern von Gruppen. In welcher Weise bin ich für das Leben bedeutsam?

Schließlich lebt jeder in einem Umfeld, welches er durch seine Art beeinflusst. Wie finde ich da das richtige, wie kann ich das Geheimnis finden? Nur der, der diese Aufgabe als Liebender empfindet, findet, weil die Liebe ihn führt.

Die Liebe, die vom Herzen kommt, ist von der Art, dass das Gesuchte ihr entgegen kommt. Das zeigt sich schon in der Buchhandlung in der Auswahl eines Buches.

Nach dem Krieg waren wir in besonderer Weise Suchende. Wir suchten nach den Wirrnissen der Vergangenheit das rettende Ufer. Wir wohnten in Köln und suchten in unserer Not, die Rettung in den Kirchen. Aus der großen Anzahl der Kirchen in Köln, fanden wir die Kirche Sankt Peter, dessen Pfarrer ein alter Jesuit war. Dieser Jesuit, Pater Schuh, war ein Freund von Pater Lassalle, der später unser Zenmeister und Lehrer wurde. Ein Spruch sagt.: „Nicht nur der Durstige sucht das Wasser, sondern das Wasser sucht auch den Durstigen.“

Die Liebe ist die stärkste Stärke, sie drängt aus sich zum Ziel. So ist sie schon das Ziel. Sie ist die tiefste Tiefe. Ihr offenbart sich, was sonst nicht in Erscheinung treten will und kann oder dort, wo sie nicht ist, in Erscheinung treten darf. Keiner besitzt diese Liebe.

Es gibt Menschen, die von ihr ergriffen sind. Die Liebe weht, wo sie will. Sie kennt keine Grenzen und verwandelt dort, wo sie weht eine trockene Wüste in blühendes Leben. Sie ist unfassbar und unerschöpflich.

Dieser Liebe wollen wir uns anvertrauen. Sie ist es, die führt und uns zu lebendigen Menschen werden lässt. Es gibt etwas, was uns dieser Liebe näher bringt: Es ist die Achtung. Die Achtung vor dem, was das Leben ausmacht. Jeder Mensch ist so, wie er ist, aus einem inneren geheimnisvollen Walten geworden. Wenn ich ihn so nehme, wie er ist, so trete ich auch mit diesem Geheimnis in Verbindung. Das ist die Achtsamkeit dessen, der in Liebe zum Leben alles aufgegeben hat, woran er hängt. So konnte sich ihm zeigen, was alles trägt, die Anwesenheit des göttlichen Seins. Es ist die Kraft, die alles mit Leben erfüllt, was existiert.

Daraus ergibt sich die große Liebe. Die Liebe, die liebt, wie du bist. Sei nicht verzagt.

Viele Menschen verfolgen das Ziel, in äußeren Verhältnissen Geborgenheit und Liebe zu finden, Anerkennung und Wertung. Aber an welchem schwachen Faden hängt diese Existenz, die immer durch Leistung erkauft werden muss. Es ist die Leistung, deren Maßstab dir eine fremde Macht aufzwingt. Auch im Religiösen. Übergebe dich dem Leben und Sterben, dem Leben, was Dich schon immer genommen hat. Es ist das Leben der großen Liebe. Das Sterben ist nicht ein Feind des Lebens. Es ist die Verwandlung zu Weiterem. Es ist freundlich und nimmt dich aus dem, was nicht mehr lebensfähig ist, zu Neuem hin.

So, wie die Achtsamkeit das Geliebte ins Bewusstsein bringt, so braucht die Wirklichkeit noch ein weiteres: Das Vertrauen.

Das Vertrauen wirkt da, wo das Wissen aufhört, es wirkt, wo die Schritte ins Nichts führen. Das Vertrauen wirkt da, wo die Dunkelheit die Orientierung nimmt. Das Vertrauen gibt alle Bedenken auf und lässt geschehen. Es entzieht sich nicht. Der Schritt ins Nichts schreitet weit aus. Der Atem ist weit und erfüllt das ganze Sein.

Das Lebendige lebt vom Widerstand. Der Kälte widerstehe ich mit Wärme. Die Stärke des Windes löst Standfestigkeit aus. So wachse ich. Wenn ich mich dem Wind entgegen stelle, gewinne ich an Kraft. So ist es mit dem sogenannten Schlimmen im Leben. Stelle ich mich ihm, gewinne ich Kraft. Wo führt das Schlimme hin und welche Kraft entfaltet sich?

Das Schlimme befreit dich von der Täuschung, du wärest der Besitzer des Lebens.

Das Leben hat dich. Es ist die Anwesenheit des göttlichen Universums. Es ist das, was alles ins Leben ruft und lebendig erhält.

Die göttliche Kraft stellt dich ins Leben. Sei ohne Sorgen und wache auf zu deinem Leben.

Mit freundlichem Gruß
Klaus



Monatsbrief April 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir leben, unser Körper ist lebendig, sonst wären wir nicht hier. Wir sind dieser Körper. Mit diesem Körper haben wir einen Platz gefunden. Es ist der Platz, wo wir jetzt sind. Bist Du ganz an diesem Platz angekommen, in vollständiger Weise? Was ist mit Deiner inneren Seite? Sie muss frei sein von anderen Plätzen, um immer mit Dir dort zu sein, wo Du bist. Dieser Platz bist Du. Nimmst Du ihn, so nimmst Du Dich. Du kannst ihn nicht ergreifen. Du musst Dich auf ihn einlassen. So ist das Leben..

Dieses Leben ist gegeben und anwesend, bevor Du auf diese Welt kommst. Du bist hineingegeben in das Walten der Lebenskraft. Es ist die Kraft, die in allem waltet, in jedem Geschöpf auf dieser Erde und im gesamten Weltall. So bist Du genommen und belebt von einer Kraft, die ohne Anfang und Ende und alles Geschehen des Lebens ist. Es gibt also immer dieser eine Platz, an dem Du bist. Wenn es im Leben eine Übung gibt, um zu leben, dann die, diesen Platz zu nehmen, an dem Du bist.

Kein anderer gibt ihn Dir. Es ist kein Arbeitsplatz oder Platz an der Sonne. Das Leben ist dieser Platz. Im Innern gibst Du alle Bestrebungen nach anderem auf. Alles Erdachte und Gewünschte stört. Darin liegt die Übung. Das Denken gehen lassen. Dann kommst Du soweit zu erfahren, Deine Lebendigkeit hat Dich genommen und belebt jeden Augenblick Dein Leben, ohne Dein Zutun. Dann erst bist immer wach in Deiner Gegenwart.

Nun könnte eingewendet werden, wir leben doch alle. Nur der Mensch, der wach ist in sich, der lebt und wird getragen vom Leben. Andere müssen durch Leistung und Anpassung an fremde Bedingungen, das Leben erwirken.

Geht es denn ohne Arbeit und Mühe, könnte jetzt die Frage lauten. Das Leben entsteht und bringt aus einem geheimnisvollen Grund die Gestalt hervor, die wir sind. Hier bedarf es lediglich, dieses anzunehmen, ohne es zu verstehen. Es ist der göttliche Grund. So ist Leben da, ohne mein Mitwirken. Ich bin dann derjenige, der sich darum zu sorgen hat. Ich habe mich zu sorgen um Essen und Trinken, um Wohnen, Gesundheit und um alles, was das Leben ausmacht.

Für das Lebendige des Lebens ist das Lebendige selbst zuständig. Jeder Eingriff stört. Ich habe mit ihm zu gehen in jedem Augenblick. Das ist es. Ich gehe mit dem Leben. Wenn ich nicht mehr in der Lage bin zu handeln und zu sorgen, so dass das Leben verkümmert, so vermindert sich die Lebendigkeit, bis sie aufhört, wie ein Flamme, die ganz schwach wird. Dann nimmt der göttliche Grund die Gestalt zurück. Der Grund bleibt bestehen. Ich gehe auch da mit. Das Lebendige erlebt sich selbst weiter, ohne Person und Namen. Soweit kenne ich das Erlebnis. Wie es weiter geht, weiß ich nicht.

Du bist in diesem Grund völlig aufgehoben, was sich auch ereignet, Du ruhst im Göttlichen. Müssen wir es eigentlich üben, Du bist doch auf diesen Platz.


Gruß Klaus


Als ich müde wurde vom Suchen und ruhte,
da zeigte es sich mir,
dort, wo ich schon immer bin.


Monatsbrief März 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir kennen alle das Leid. Wir möchten es nicht. Unser Bestreben ist darauf gerichtet, uns davor zu schützen. Können wir einen endgültigen Schutz erreichen oder schaut uns das, was hinter uns steht, ständig an?

Was uns anschaut, ist unser körperliches Dasein. Es ist ständig dem Vergehen preisgegeben. So will es die Natur. Wenn wir es so nehmen, wie es ist, so empfinden wir kein Leid. Das Leben ist eine einzige Mühe, es zu erhalten. Wenn wir jetzt den Augenblick nehmen, so können wir feststellen, dass im Verlaufe der Vergangenheit eine starke Kraft uns erhalten hat.

Dennoch, wir flüchten gerne aus dieser Wahrheit des Gegenwärtigen in eine Vorstellung vom Leben. Wir hätten gerne Ruhe vorm Leben. Wir möchten es genießen. Die Wahrheit jedoch bleibt. Wir haben sie in den Hintergrund gestellt. Darin liegt das Leid.

Es gibt Begebenheiten im Leben, die uns aufwecken, wenn die Illusion unserer Vorstellung zum Vorschein kommt. Wir werden dann enttäuscht. Die Enttäuschung erinnert uns an die Wahrheit im Hintergrund, an das Vergehen. Es entspricht seiner Natur. Wir spüren es dann, wenn durch erschreckende Ereignisse oder durch Krankheit unser Atem sich vermindert.

Unser körperliches Dasein zu ignorieren und uns in Vorstellungen retten zu wollen, ist nicht heilsam. Wenn wir unser körperliches Dasein nehmen, wie es ist, so empfinden wir kein Leid. Wer denkend mit dem Leben umgeht, der verschließt sich dem inneren Erlebnis. Er kann die gestaltende Kraft des Lebens nicht sein. Sie gibt Frieden und Erfüllung. Das Denken hat ein eigenes von der Natur ihm zugedachtes Wirkungsfeld. Das Leben selbst spielt sich in einem eigenen geistigen Feld ab. Dieses geistige Feld erlebt sich selbst im Innern des Menschen. Bleibe ich außerhalb, indem ich mich ihm verschließe, so empfinde ich Leid. Die Lösung liegt also darin, sich dem geistigen Feld auszuliefern.

Die Erfahrung lehrt, das Leid gehört zum Leben. Es ist der Hinweis darauf, dass wir die Wahrheit des Lebens außer Acht gelassen haben. Die Wahrheit ist eine göttliche Wahrheit, um die keiner herumkommt. Das Leid ausschalten zu wollen, bedeutet, das Leben nicht zu wollen.

Wir möchten das Leben. Darum üben wir, es zu nehmen. Das Leben ist da. Es ist in unserer Erscheinung. Wir sollten mitgehen mit dem, was durch uns lebt. Jeder Augenblick unserer Tage und Jahre sind volles Leben. Warum schieben wir es noch auf? Darin liegt die Lösung und Befreiung vom Leid. Eine versöhnliche Haltung zum Leben, öffnet das Tor der Befreiung. So, wie das Leben ist, ist es folgerichtig und unanfechtbar. Dem Walten des Geistes sich auszuliefern, darin liegt die Lösung. Das ist das Leben.

Es gibt innerhalb der Menschheit geistige Strömungen mit dem Ziel, dem Wesentlichen, dem Göttlichen den Weg zu bahnen. Dazu gehört die Mystik in den Religionen. Dazu gehört auch die aus dem Buddhismus entstandene Übung des Zazen. Sie beinhaltet einen Weg, den viele Menschen gehen.

Gruß Klaus

Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht, die etwa mögen kommen.
Der Augenblick ist mein, und nehm‘ ich den in acht,
so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Andreas Gryphius


Monatsbrief Februar 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Was ist in unserem Lebensvorgang das Ego?

Die menschliche Natur ist Leben in reiner Weise. Sie ist der Drang des Lebens selbst. Dieses kennt kein Ego. Das Ego bildet sich durch eine Art oder Bahn, in der das Leben zu verlaufen hat. Die Art wird angeeignet durch die Bedingungen, in die der Mensch hinein geboren wird und im Verlaufe des Lebens da sind. Er hat sich dem zu fügen, um Anerkennung zu bekommen und Wert zu empfinden.

Während das Wesen mit seinem Lebensvollzug ungebändigt ist und weder gut noch schlecht kennt, gibt es im Ego-Sein Benotungen, gut und schlecht. In einer Gemeinschaft von Menschen gibt es eine Autorität, die den Maßstab der Benotung besitzt. Das ist dort, wo die Macht ist. Was dieser Macht entspricht, ist gut, was anders ist, das ist schlecht. Nun muss es in einer Gemeinschaft, um ihren Bestand zu sichern, Ordnung geben und es muss eine Autorität da sein, die sie sichert.

Um einen Machtmissbrauch zu verhindern, kennt die Menschheit die Religionen. Gott ist frei von Macht, er ist das Leben selbst. Wenn gegen das Leben mit seinen Bedürfnissen verstoßen wird, so hat die Religion mit ihren Möglichkeiten zu regulieren, damit die Macht dem Leben dient. Das Leben darf nicht durch eine Macht zu ihrem Vorteil genutzt werden. Kann ich da auf irgend einen Menschen bauen, der dieses für mich erledigt? Nein, das kann ich nicht.

Dieser Gott, der mich frei macht von fremder Einwirkung und mein Leben zurückführt in seinen Grund, der ruht in mir. Dieser Gott ist mein Wesen selbst. Dieses wirkende Wesen ist mir nie verloren gegangen. Ich habe mich lediglich in einer anderen Richtung orientiert. Und nun ändere ich meine Richtung und wende mich der göttlichen Anwesenheit wieder zu. Sie ist meine Wesensnatur.

Wie geschieht das?

Ich wende mich dem Lebensgrund zu. Er ist da. Die Verfälschungen und Entfremdungen sind gebaut worden. Das Gebaute in meinem Bewusstsein lasse ich zu mit Anerkennung seiner Bedeutung. Dadurch baut es sich wieder ab. Die Lenkungen im Ego haben mir meine ursprüngliche Unschuld genommen und ich habe unterschieden zwischen Erfolg und Misserfolg. Und nun lasse ich Erfolg und Misserfolg wieder gehen. Ich habe unterschieden zwischen Freund und Feind. Und nun lasse ich Freund und Feind wieder gehen. Ich habe unterschieden zwischen Liebe und Hass. Und nun lasse ich Liebe und Hass wieder gehen.

Was ist dann?

Ich ruhe im göttlichen Sein und erlebe seine ständige Gegenwart. Ein ganz neues Ego bildet sich mit Verständnis und Mitgefühl. Das neue Ego fließt aus der Quelle des göttlichen Grundes und ist in der Lage zu lieben, ohne Bedingungen zu stellen.

Für Menschen auf dem Weg der Besinnung gibt es im Zen „Die vier großen Gelübde“

Zahllos sind die Lebewesen, ich gelobe, alle zu retten.

Grenzenlos sind eitle Verhaftungen, ich gelobe, sie alle zu lassen.

Unzählbar sind die Tore der Wahrheit, ich gelobe, sie zu durchschreiten.

Unübertroffen ist der Weg des Erwachens, ich gelobe, ihn zu gehen.

Herzliche Grüße, Klaus


Monatsbrief Januar 2008

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wir mit unserer Gemeinschaft haben ein ganz einfaches Anliegen. Wir üben, still und lang an einer Stelle sitzen zu können. Wenn wir zusammen kommen, setzten wir uns gemeinsam hin. Nun sitzen wir im Leben viel, zu Hause, am Arbeitsplatz, in einer Gaststätte.

Unser Sitzen gestaltet sich, wenn wir in unserer Kapelle sitzen, etwas anders. Wir sitzen ausdauernd und völlig still und wach aufgerichtet. Wir sitzen in geordneten Reihen auf dem Bänkchen oder Kissen auf dem Boden. Unter uns eine Matte. Einige sitzen auch auf Stühlen. Eine gegebene Ordnung hält uns frei von äußeren Störungen. Alle machen das Gleiche.

So sitzen wir still mit uns. Wir nehmen uns, wie wir sind. Keiner spricht ein Wort. Wir sind alleine mit uns. Und was geschieht? In uns läuft etwas ab. Unruhe zeigt sich, Gedanken schwirren umher. Durch Üben kommen die Gedanken allmählich zur Ruhe. Es bedarf einiger Zeit und Geduld. In mir bauen sich, ohne mein Zutun, fremde Einwirkungen und Lebenskonstruktionen ab, bis sich mit einem Mal meine wahre Existenz zeigt. Es zeigt sich, dass ich keine eigene Existenz habe. Ich bin eine Gestalt, deren Leben aus einer ständig wirkender Quelle gespeist wird. Nie ergibt sich Endgültiges oder Fassbares. Immer ist es ein Werden ohne Endprodukt. Wir werden ständig gelebt. Indem wir uns dem Vorgang eingliedern, leben wir.

Dieses zu wissen und zu erfahren, ist für unser Leben wichtig. Alle Künstlichkeit und Illusion sind abgefallen und die ungetrübte Wahrheit zeigt sich. Wir sorgen uns nicht mehr um unser Leben. Es ist nicht in unserer Hand.

Ist das nun eine blinde Kraftentfaltung?
Nikolaus von Kues sagt, es ist das Eine, was sich in allen Gestalten entfaltet. So ist das ganze Universum. Es ist das Göttliche, was so ins Leben tritt.
Meister Eckehart sagt, Gott erzeugt in Dir ständig seinen Sohn. Hass, Neid und Eifersucht fallen in natürlicher Weise ab.

Ist das nun ein Traum jenseits der Realität?
Das Geschilderte ist das, was ist und es gibt nichts Besseres. Es gibt dann keine besseren Eltern als die, die wir haben und es gibt keine bessere Zukunft, als die, die vor uns liegt. Ich suche nicht mehr nach dem Glück. Mein Herz ist voller Lebensfreude. Ich stelle keine Anspruch an die, die zu mir gehören. Ich kann bitten und danken. So entwickelt sich freies Leben, was von Natur aus liebt. Dieses ist die stille Sehnsucht aller Menschen. Dort hin werden wir uns alle entwickeln, damit das Leben wieder lebenswert wird und die Kriege der Vergangenheit angehören.

 

Alle Worte
sind wie der Wind.
Sie verwehen.

Was Dir bleibt,
ist das Herz
was schlägt.

Der Atem
ist weit,
er ist nicht Dein.

Gott allein
ist der Atem
und das Sein.

Gruß, Klaus